Nur noch echter Luxus läuft
Finanzkrise bremst Nobelkarossen aus

Die Finanzkrise zieht weiter ihre Kreise: Jetzt trifft der Exodus an der Wall Street und der City of London sogar die als besonders resistent geltenden Hersteller von Luxusautos und teuren Dienstwagen. Unmittelbar vor Beginn des Autosalons in Paris herrscht in der Beletage des Automobilbaus gedämpfte Stimmung.

FRANKFURT/HAMBURG. Graeme Carver weiß inzwischen, was schlechtes Timing bedeutet. Vom 15. bis 19. September gastierte der Chef der Motorexpo mit seinem exklusiven Autosalon im World Financial Center in New York. Mit automobilen Kostbarkeiten wie einem Aston Martin DBS 12-Zylinder und einem Bugatti Veyron für 1,1 Millionen Euro wollte er vor dem Haupteingang der Investmentbank Merrill Lynch die kaufkräftige Kundschaft der US-Finanzwelt anlocken.

Einen schlechteren Moment hätte sich Carver nicht aussuchen können: Merrill Lynch verliert seine Eigenständigkeit, Konkurrent Lehman Brothers geht bankrott. Statt kistenweise Champagner zur Bonusparty zu schleppen, mussten viele Investmentbanker in den vergangenen Wochen ihre Habseligkeiten in Pappkartons aus den Bürotürmen tragen.

Der Exodus an der Wall Street und der City of London trifft nicht nur die Banker - er reißt gewaltige Lücken in die Auftragsbücher der ebenso erfolgsverwöhnten Hersteller von Luxusautos jenseits der Preismauer von 100 000 Euro. Kaum einer traut sich, in der Krise teure Nobelschlitten zu kaufen.

Mehrere große Bankhäuser warnten am Dienstag, dass die Autobauer durch Leasing- und Finanzierungskredite ebenfalls von der Bankenkrise betroffen seien. Europäische Autobauer finanzierten jährlich rund 250 Mrd. Euro, davon müssten etwa 80 Mrd. Euro jährlich refinanziert werden.

Die Stimmung in der Beletage des Automobilbaus ist unmittelbar vor Beginn des Autosalons in Paris gedämpft. Der britische Luxushersteller und VW-Tochter Bentley musste seine Produktion bereits im Zuge der Kreditkrise herunterfahren. Branchenkenner rechnen damit, dass weitere Nobelmarken die Nachwirkungen der Zusammenbrüche noch zu spüren bekommen.

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