Nur wenige Branchen investieren noch Milliardensummen im Inland
Unternehmen zieht es über die Grenze

Deutschlands führende Wirtschaftskonzerne haben im vergangenen Jahr die Ausschüttung an ihre Aktionäre um 40 Prozent auf 12,7 Mrd. Euro erhöht, die Investitionen im Inland aber um über 20 Prozent auf 20,3 Mrd. Euro zusammengestrichen. Das Investitionsgeschehen verlagert sich zudem ins Ausland.

DÜSSELDORF. Denn die Gesamtinvestitionssumme sank nur um zehn Prozent auf 70,6 Mrd. Euro. Das ergab eine Handelsblatt-Umfrage unter den Dax-30-Gesellschaften (ohne Banken und Versicherungen).

Diese Zahlen sind Wasser auf die Mühlen der Systemkritiker wie SPD-Chef Franz Müntefering. Der hatte mit seiner Kapitalismusschelte eine heftige Debatte über die Verantwortung der Wirtschaft unter anderem für Arbeitsplätze ausgelöst. Neue Jobs entstehen aber nur, wenn auch wieder mehr investiert wird. Danach sieht es vorerst nicht aus. Für das laufende Jahr ist keine Trendwende in Sicht. Laut den Plänen der Unternehmen bewegt sich das Gesamtinvestitionsvolumen allenfalls auf dem Vorjahresniveau.

Einige Institute wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin oder das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aus Köln glauben an eine Investitionswende. Nach einer langen Pause müssten nun eigentlich Modernisierungs- und Ersatzinvestitionen in Gang kommen, sagt Michael Grömling vom IW. Auch der Sachverständige Peter Bofinger (siehe „Nachgefragt“) rechnet mit steigenden Investitionsausgaben. Doch die Maschinenbauer, die das als erste Branche spüren müssten, sind ganz anderer Ansicht. Der Branchenverband VDMA bewertet die jüngsten Zahlen zum Auftragseingang aus dem Inland sogar als „alarmierend“. Chefökonom Ralph Wiechers sagte dem Handelsblatt: „Das erste Quartal wird stark abfallen.“ Am Donnerstag werden die März-Daten veröffentlicht.

Schon im Januar und Februar brachen die Inlandsorders um elf Prozent ein. Wiechers sieht „keine Belebung der Inlandsnachfrage“. Im Gegenteil: Seit Sommer 2004 gehe es abwärts. Und dieser Trend im Investitionsgütergeschäft halte an.

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