Nutzfahrzeug-Sparte: Daimler streicht 2100 Stellen

Nutzfahrzeug-SparteDaimler streicht 2100 Stellen

Der umsatzstärkste Nutzfahrzeughersteller der Welt forciert sein Effizienzprogramm und baut Stellen in der Administration und Produktion ab. Spartenchef Renschler begegnet damit der Kampfansage der Konkurrenz.
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DüsseldorfDer Autokonzern Daimler zieht nach der Kampfansage der Konkurrenz die Zügel im Lastwagen-Sektor an. Nachdem der VW-Konzern mit seinen Marken Scania und MAN sowie der schwedische LKW-Hersteller Volvo offen am Thron des umsatzstärksten Nutzfahrzeugherstellers rütteln, rüsten sich die Stuttgarter für einen Dreikampf und verschärfen den Kurs. „Ich fürchte solche Ankündigungen nicht, seien sie  von Volvo oder von Volkswagen“, sagte Daimler-Spartenchef Andreas Renschler dem Handelsblatt.

Die Stuttgarter wollten ihre Spitzenposition  halten, „aber wir wollen vielmehr auch der Beste bei der Rentabilität werden.“ Darum setzt Daimler LKW angesichts der wackeligen Konjunktur nun in den USA und Deutschland den Rotstift bei den Stellen an. In Nordamerika werde Daimler „bis zu 1300 Mitarbeiter aus der Produktion nehmen“ und an „den hiesigen Standorten werden 800 Stellen in Nicht-Produktionsbereichen wegfallen“, kündigte Renschler an. In Brasilien würden ebenfalls 850 Stellen in der Verwaltung gekappt, aber zugleich 1400 Jobs in der Produktion zurückgeholt.

 

Volvo hatte am Anfang der Woche angekündigt, durch eine Beteiligung in China an Daimler vorbeiziehen und zur Nummer eins der Branche bei schweren Lkw aufsteigen zu wollen. Auch der neue MAN-Truck-Chef Anders Nielsen will gemeinsam mit den Schwestermarken Scania und VW bis zum Jahr 2020 zu Marktführer Daimler aufschließen. Doch Renschler sucht keine direkte Konfrontation mit den Wettbewerbern. „Eines will ich klarstellen: Für ist uns ist es kein Selbstzweck, der umsatzstärkste oder der absatzstärkste Hersteller von Nutzfahrzeugen sein“, sagte er. Entscheidender für die Sparte sei, aus ihrer Größe endlich Skaleneffekte zu erzielen.

Daimler ist bisher zwar mit Marken wie Mercedes, Freightliner, Western Star und Fuso der größte Hersteller schwerer LKW weltweit, fährt aber bei der Rendite noch Konkurrenten wie Volvo und Scania hinterher, die bis zu zweistellige Margen einfahren. Das soll sich nach dem Willen von Renschler nun bald ändern.

Ursprünglich hatte die Daimler-LKW-Sparte, die nächste Woche im Rahmen der Bilanzpressekonferenz der Stuttgarter ihre Zahlen vorlegen wird, bereits für das laufende Jahr eine durchschnittliche Umsatzrendite von acht Prozent angepeilt. Dieses Ziel hatte das Management in der stark zyklischen LKW-Sparte allerdings wegen der eingetrübten Konjunktur vor allem in Europa bereits im Herbst gekippt.

Nun macht Renschler das Thema Profitabilität zur Chefsache. „Das ist  unser wichtigstes Thema“, betonte der Daimler-Vorstand.  Bereits im vergangenen Sommer schob der Chef der LKW-Sparte deshalb ein neues Effizienzprogramm namens „Daimler Trucks Number One“ an, das bis 2014 rund 1,6 Milliarden Euro einsparen soll. Der  strukturelle Stellenabbau in Brasilien und Deutschland sei Teil davon. „Es geht  dabei nicht alleine um Einsparungen, wir wollen schneller und effizienter werden“, unterstrich Renschler.

 

Für das abgelaufene Geschäftsjahr zeigte sich Renschler zufrieden. „Wir haben 2012 bewiesen, dass wir auch in schwachen Zeiten bestehen können“, sagte er, ohne nähere Details zu nennen. Genaue Zahlen wird Daimler erst am 7. Februar vorlegen. Für das laufende Jahr bleibt er aber vorsichtig, sieht Daimler-LKW aber weiter auf Wachstumskurs. „Ich glaube, dass wir in Europa den Tiefpunkt erreicht haben“, sagte er. In den USA mache jedoch die Konjunktur  die Kunden nervös. Sie hielten sich im Moment mit Bestellungen zurück, das sollte sich aber im zweiten Halbjahr entspannen. „Insgesamt  rechnen wir  vor allem in der zweiten Jahreshälfte mit Wachstum.“

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  • „Ich fürchte solche Ankündigungen nicht, seien sie von Volvo oder von Volkswagen“, sagte Daimler-Spartenchef Andreas Renschler dem Handelsblatt.

    Ich füge hinzu. Als hoher Manager beim Daimler braucht man keine Furcht zu haben. Das Gehalt und die Abfindung ist gesichert unabhängig von dem Konzernergebnis. Leider geht es den 2100 Mitarbeitern nicht so gut. Schade diese Mitarbeiter haben besseres verdient!

  • Eher das Gegenteil von einer Kampfansage!!!

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