Nutzfahrzeuge
Bundesweite Razzia bei MAN

Der Münchener Mischkonzern MAN ist ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten. Das Unternehmen bestätigte am Dienstagabend, dass die Konzernzentrale in München Schwabing, die Zentrale der Nutzfahrzeugsparte in München Allach sowie mehrere Niederlassungen der Nutzfahrzeugsparte im ganzen Bundesgebiet durchsucht wurden. Es geht um Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe.

MÜNCHEN. "Es besteht nach Auffassung der Staatsanwaltschaft der Verdacht, dass beim Verkauf von Nutzfahrzeugen verdeckte Provisionszahlungen geflossen sind", teilte der Konzern am Abend mit. Dabei soll es sich insgesamt um mehrere Mio. Euro im In- und Ausland handeln.

MAN erklärte die Arbeit der Ermittler voll zu unterstützen und verwies auf die Unternehmensgrundsätze, die verdeckte Provisionen und Vorteilsnahme nicht tolerierten.

Die Ermittler richten ihr Augenmerk auf die Jahre 2002 bis 2005. In dieser Zeit führte der heutige MAN-Chef Håkan Samuelsson, der allerdings nicht persönlich in Verdacht steht, die Nutzfahrzeugsparte. Samuelsson hat sich in der Vergangenheit wiederholt massiv gegen Schmiergeldzahlungen gewandt. Als eines der ersten Dax-Unternehmen hat MAN vor zwei Jahren zwei externe Ombudsleute bestellt, die als neutrale Ansprechpartner dienen sollen. "Der gute Ruf unseres Unternehmens ist ein Wert, den wir nicht gefährden dürfen", begründete Samuelsson die Entscheidung. Die Berufung der Ombudsleute sei eine "zusätzliche Maßnahme zur Vorbeugung und zum Aufdecken möglicher Verstöße." Die beiden Anwälte sollen das Compliance Board des Konzerns unterstützen. Sein ausgezeichneter Ruf als Unternehmensführer brachte Samuelsson 2007 einen Sitz im Aufsichtsrat von Siemens ein. Seine Berufung gilt bei Siemens als Ausweis einer neuen Unternehmenskultur.

Die Vorwürfe in gegen die Nutzfahrzeugsparte sind neu, eine andere Konzerntochter stand aber schon häufiger im Verdacht. Immer wieder geriet die zu Beginn des Jahres verkaufte Konzerntochter MAN-Ferrostaal in die Schlagzeilen. Ferrostaal ist ein Projektdienstleister, der große Industrieanlagen vor allem in Schwellenländern plant. Zudem ist Ferrostaal ein führender Vermittler sogenannter "Offset-Deals". Dabei organisierte das Unternehmen Kompensationsgeschäfte bei Rüstungslieferungen Deutscher Unternehmen ins Ausland.

Vorwürfe, nach denen Ferrostaal Ende der Neunziger Jahre in Südafrika Schmiergelder bei dem Verkauf von U-Booten an den damaligen Staatspräsident Mbeki gezahlt habe, bestätigten sich jedoch nicht. Nicht zuletzt die Natur dieser heiklen Offset-Deals veranlassten Samuelsson, sich von Ferrostaal endgültig zu trennen. Der neue Besitzer ist der Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi.

Die Staatsanwaltschaft München ist bekannt für spektakuläre Ermittlungen in Wirtschaftsdelikten. Vor zwei Jahren deckten die Ermittler ein System schwarzer Kassen bei Siemens auf, in dessen Folge der Elektrokonzern in eine schwere Unternehmenskrise schlitterte.

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