Nutzfahrzeuge
Scania: Hoffnung für Lkw-Branche

Scania hat im dritten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Dabei ist der Umsatz um ein Drittel eingebrochen. Die Wirtschaftskrise drück. Dennoch dürfte die Branche etwas aufatmen. Denn die Schweden sehen die Talsohle erreicht.
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HB SÖDERTÄLJE. Die schwedische VW-Tochter Scania hat im dritten Quartal trotz eines herben Gewinneinbruchs einen erneuten Verlust verhindert. Unterm Strich verzeichnete der Nutzfahrzeuge- und Motoren-Hersteller einen Gewinn von 278 Mio. schwedischen Kronen (rund 27 Mio Euro). Dies entspricht einem Rückgang von 85 Prozent, wie aus der Mitteilung des in Södertälje ansässigen Unternehmens am Montag hervorgeht. Im zweiten Quartal war Scania in die Verlustzone gerutscht. An der Börse wurden die Zahlen freundlich aufgenommen. Das Scania-Papier notierte im Vormittagshandel mit knapp zwei Prozent im Plus.

Der Umsatz sank im Zeitraum von Juli bis September um gut ein Drittel auf 13,426 Mrd. Kronen. Operativ verdiente der Konzern nur noch 519 Mio. Kronen, nach 2,82 Mrd. Kronen im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten aber mit einem stärkeren Rückgang gerechnet. Die Auslieferungen gingen noch einmal um 44 Prozent auf 9 023 Stück zurück. Beim Auftragseingang zeichnete sich dagegen eine Stabilisierung ab: 10 634 neue Bestellungen entsprechen einem Rückgang um sechs Prozent zum auch schon schwachen Vorjahresquartal. Nach neun Monaten im laufenden Jahr liegen die Lastwagen-Bestellungen noch immer um mehr als die Hälfte unter dem Vorjahr bei knapp 20 700 Fahrzeugen. Besonders stark wirkt sich der Einbruch der osteuropäischen Märkte aus.

Nach Ansicht von Scania-Chef Leif Östling hat der Markt in Westeuropa die Talsohle erreicht. Das Geschäft in Lateinamerika sei relativ stabil und in Asien sehe man Zeichen einer Erholung. Zudem griffen die eingeleiteten Maßnahmen zur Kostensenkung. Im Juni hatte das Unternehmen, das mehrheitlich zu Volkswagen gehört, für die rund 12 000 Beschäftigten in Schweden eine Vier-Tage-Woche mit einem zehnprozentigen Lohnverzicht vereinbart. Dies soll zu Einsparungen von mehr als 300 Mio. Kronen in diesem Jahr führen. Seit September 2008 hätten schon über 4 100 befristete und fest angestellte Beschäftigte das Unternehmen verlassen.

Im Zuge der Wirtschaftskrise leiden die Lastwagenbauer massiv unter dem geringeren Warenstrom. In Europa sind die Neuzulassungen schon seit 17 Monaten in Folge rückläufig. Viele Spediteure haben ihre Flotten stillgelegt oder bekommen nur schwer Geld für neue Fahrzeuge. Bis die Nachfrage in Europa wieder merklich anzieht, dürften nach Expertenschätzung noch zwei bis drei Jahre vergehen.

Konkurrent Daimler hatte in der vergangenen Woche überraschend vorläufige Zahlen vorgelegt. Demnach schrieb die Nutzfahrzeug-Sparte des Konzerns operativ weiter rote Zahlen. Der neuerliche Verlust betrug 127 Mio. Euro. Auch der schwedische Wettbewerber Volvo konnte den Verlust im dritten Quartal eindämmen und zeigte sich bei der Bilanzvorlage am Freitag optimistisch, das Schlimmste überstanden zu haben. Für das dritte Quartal wies der Lastwagen-, Bus-, Landmaschinen- und Schiffsmotoren-Hersteller einen Verlust von 2,9 Mrd. schwedischen Kronen (285 Mio Euro) aus. Der Münchener Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN, an dem VW ebenfalls beteiligt ist, will seine Zahlen am Donnerstag veröffentlichen.

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