Nutzfahrzeuge
Scania lehnt MAN-Angebot formal ab

Der schwedische LKW-Hersteller Scania hat das Übernahmeangebot seines Konkurrenten MAN jetzt formal abgelehnt. Der Aufsichtsrat verschärfte den Konflikt noch: Das Angebot sei nicht nur zu niedrig – die deutschen Job-Garantien würden Synergie-Effekte zunichte machen.

HB SÖDERTÄLJE. Der Scania-Aufsichtsrat begründete seine Ablehnung des offiziellen MAN-Übernahmeangebotes über 10,3 Milliarden Euro am Freitag in Södertälje zusätzlich zu einer „substanziellen Unterbewertung von Scania“ damit, dass „von MAN und deutschen Gewerkschaften vereinbarte, langfristige Job-Garantien praktisch alle Kosteneinsparungen durch Personalreduzierungen auf die produktiveren Scania-Einheiten verlagern“.

MAN hatte vergangene Woche ihr offizielles Angebot für Scania veröffentlicht und war dabei Forderungen schwedischer Investoren nach einer Aufbesserung der Offerte nicht nachgekommen. Das Angebot bewertet Scania unverändert mit 10,3 Mrd EUR. Scania hatte sich zuvor bereits ablehnend geäußert. Sollte der Deal dennoch zustande kommen, entstünde damit der größte europäische Lkw-Hersteller.

Scania: Sonderausschüttung geplant

Scania kündigte für 2006 eine Sonderausschüttung an die Aktionäre zwischen sieben und zehn Milliarden Kronen (775 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro) an. In der einstimmig, aber ohne Volkswagen als größtem Scania-Eigner gefassten Ablehnung des MAN-Angebotes hieß es weiter, dass die von dem Münchner Unternehmen angekündigten Einsparungen bei einem Zusammengehen der beiden Lkw- und Bus-Hersteller zwar langfristig möglich seien. Kurzfristig dagegen „könnten diese Synergieeffekte stark überschätzt sein“. Zur Begründung hieß es: „Das liegt neben anderen Dingen an den deutschen Job-Garantien, die eine zeitlich angemessene Verwirklichung von Synergien behindern.“

MAN-Chef Håkan Samuelsson hatte sich im Sommer mit der IG Metall auf eine Arbeitsplatzgarantie für 7 000 Beschäftigte als Gegenleistung für längere Arbeitszeiten geeinigt. Für den Scania-Aufsichtsrat sagte dessen Sprecherin Peggy Bruzelius: „Scania ist ein starkes Unternehmen und als Klassenbester der gesamten Branche bestens auch als selbstständige Einheit für die Zukunft gerüstet.“

Für den nach VW zweitgrößten Eigner, die schwedische Finanzgesellschaft Investor, sagte Unternehmenssprecher Fredrik Lindgren, man halte an der bisherigen Ablehnung des MAN-Angebotes fest. VW beteiligt sich nicht an den Entscheidungen im Scania-Aufsichtsrat, weil der Wolfsburger Konzern auch größter Anteilseigner bei MAN ist und dem Münchner Unternehmen die eigenen Scania-Aktien überlassen will, wenn auch Investor grünes Licht für eine Übernahme gibt.

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