Nutzfahrzeuge
Volvo sieht Talfahrt beendet

Der Lastwagenbauer Volvo schreibt Verlust - allerdings weniger als erwartet. Analysten hatten bei dem großen Rivalen von Daimler mit schlechteren Zahlen gerechnet. Wobei die Absatzzahlen für den europäischen Nutzfahrzeugmarkt wenig Hoffnung machen, dass Volvo und Co bald aus der Krise kommen. Doch es regiert wieder der Optimismus.

STOCKHOLM. Der zweitgrößte LKW-Hersteller der Welt, Volvo aus Schweden, fuhr auch im dritten Quartal dieses Jahres in tiefroten Zahlen. Dennoch gab es seit langer Zeit erstmals wieder vorsichtig optimistische Töne zu hören. „Das Risiko besteht, dass wir noch eine Zeit lang am Boden herumkrabbeln“, sagte Volvo-Chef Leif Johansson, fügte dann aber hinzu: „Das Interessante ist, dass wir uns jetzt am Boden befinden und wir nicht glauben, dass es noch tiefer geht“. Dieser Satz reichte, um die Aktie des nach Daimler zweitgrößten LKW-Herstellers der Welt um 7,5 Prozent an der Stockholmer Börse nach oben zu katapultieren.

In der durch die globale Wirtschaftskrise schwer gebeutelten Lkw-Industrie macht sich ganz vorsichtiger Optimismus breit. „Das Wichtigste an den Quartalszahen von Volvo war, dass man jetzt das Licht am Ende des Tunnels sieht“, sagte ein Analyst in Stockholm. Zu dem steilen Kursanstieg trug auch bei, dass Analysten ein deutlich schlechteres Ergebnis erwartet hatten.

Im dritten Quartal wies der Lkw-, Bus- und Motorenhersteller aus Göteborg einen Verlust von 2,9 Mrd. Kronen (283,4 Mio. Euro) aus. Im Vorjahresquartal erwirtschaftete der Brummi-Produzent noch einen Gewinn von zwei Mrd. Kronen. Auch der Umsatz brach im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 31 Prozent auf 48,5 Mrd. Kronen ein. Die gesamte Nutzfahrzeugbranche leidet unter der Wirtschaftskrise: Viele Kunden haben Bestellungen storniert, weil Warentransporte eingebrochen sind. Außerdem haben Speditionen und Bauunternehmen teilweise Probleme, Neukäufe über Kredite zu finanzieren, da viele Banken keine Darlehen geben wollen.

Insgesamt verkaufte Volvo, zu dem auch die Marken Renault, Mack Nissan Diesel und Eicher gehören, in den vergangenen drei Monaten 27 616 Lkw – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte. Bei den Neubestellungen sieht es dagegen im Vergleich zum Vorjahr deutlich besser aus: Gingen im dritten Quartal vergangenen Jahres nur europäische Bestellungen über 115 LKW in Göteborg ein, waren es jetzt immerhin schon wieder knapp 8200.

Volvo-Chef Johansson rechnet damit, dass der gesamte Lkw-Markt in diesem Jahr um mindestens 50 Prozent schrumpfen wird. Damit liegt er auf der Linie der Prognose des Verbandes der europäischen Automobilhersteller (ACEA). Nach Verbandsangaben wurden zwischen Januar und September dieses Jahres in Europa knapp 1,3 Mio. Nutzfahrzeuge neu registriert. Im gleichen Zeitraum 2008 waren es noch über 1,9 Fahrzeuge.

Allerdings sieht auch der ACEA vorsichtige Entspannungszeichen in Europa: Während im August der Absatz bei Nutzfahrzeugen noch um 35,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat einbrach, ging er im September nur noch um 27,7 Prozent zurück. Den stärksten Absatzeinbruch verzeichneten im September die krisengeplagten Länder Island (-59 Prozent) und Lettland (- 82 Prozent). In den kommenden Tagen werden auch die Volvo-Konkurrenten MAN und Scania ihre Quartalszahlen vorlegen. Analysten erwarten ein ähnliches Bild: „Das Ende der Talsohle scheint erreicht“, sagte ein Analyst, der allerdings mit nur einer sehr langsamen Fahrt zurüch in die Gewinnzone rechnet.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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