Nutzfahrzeughersteller
Kögel ist schon wieder insolvent

Die Krise in der Logistikbranche hat ein prominentes Opfer gefunden: Der Nutzfahrzeughersteller Kögel ist erneut insolvent. 1500 Mitarbeiter sind betroffen, die meisten von ihnen in Deutschland. Hintergrund der Insolvenz ist ein beispielloser Nachfrageeinbruch von 90 Prozent. Eine Teilschuld trage laut Kögel auch die Politik.

MÜNCHEN. Geschichte wiederholt sich manchmal doch: Fünf Jahre ist es her, da musste der Trailerhersteller Kögel Fahrzeugwerke zum ersten Mal Insolvenz anmelden. Gestern ist der Geschäftsführung nichts anderes übrig geblieben, als erneut zum Amtsrichter zu gehen. Seit vergangenem Herbst seien die Aufträge um 90 Prozent zurückgegangen, teilte die Firma mit. Diesen massiven Rückgang habe das vor 75 Jahren gegründete Unternehmen nicht verkraftet.

In den vergangenen Wochen habe das Management intensiv mit Banken verhandelt, sagte ein Sprecher. Allerdings hätten sich die Gespräche angesichts des dramatischen Einbruchs im Geschäft letztlich zu lange hingezogen. „Die restriktiven Tendenzen am Finanzmarkt führten zu einem nicht mehr auszugleichenden Liquiditätsengpass“, hieß es in einer Mitteilung. Auch die zuletzt mit einigen Lieferanten getroffenen Stundungsvereinbarungen hätten daran nichts mehr ändern können. Die Lage ist miserabel: Vergangenes Jahr lieferten die Schwaben noch 18 000 Fahrzeuge aus. Dieses Jahr rechnet die Unternehmensführung mit maximal 2 000 Stück. Entsprechend werde auch der Umsatz von 440 Mio. Euro im Jahr 2008 auf etwas mehr als 50 Mio. Euro zurückgehen.

Wie Kögel leiden auch die Konkurrenten darunter, dass die Speditionen kaum noch neue Trailer ordern. Ein Sprecher von Schmitz Cargobull aus Horstmar im Münsterland sagte gestern, die Produktion laufe in einigen Bereichen auf äußerst niedrigem Niveau. Wo bis Sommer 2008 noch in drei Schichten täglich gearbeitet worden sei, gebe es jetzt noch drei, vier Schichten – im Monat.

In dem am 31. März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr ist der Umsatz von Schmitz Cargobull um 30 Prozent eingebrochen. Als Familienunternehmen mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent und einer hohen Liquidität sei man aber nicht gefährdet durch die Flaute.

Ganz anders Kögel. Ein halbes Jahr nach dem Insolvenzantrag im Januar 2004 haben der Finanzinvestor Schoeller Metternich Beteiligungen sowie EM.TV-Gründer Thomas Haffa die damals in Ulm ansässige Firma übernommen. Die zu diesem Zweck gegründete Trailer Holding ist noch heute der Besitzer, Haffa ist nach Angaben eines Unternehmenssprechers aber nicht mehr dabei. Mehrmals hätten die Gesellschafter bereits neues Kapital in das Unternehmen nachgeschossen, hieß es in der Mitteilung.

In den vergangenen Monaten sind 200 Stellen bei Kögel weggefallen. Derzeit arbeiten dort noch 1 150 Mitarbeiter, davon rund 830 in Deutschland. Der Nutzfahrzeughersteller soll aber nach dem Wunsch der Gesellschafter über ein Insolvenzplanverfahren weitergeführt werden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz aus Neu-Ulm bestellt.

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