Oberklasse-Modell gestoppt
VW bricht mit Bernhards Modellpolitik

Ein Vierteljahr nach dem Ausscheiden von Wolfgang Bernhard bricht der neue VW-Chef Martin Winterkorn endgültig mit dem Modellerbe des Ex-VW-Markenchefs. Das neue Management in Wolfsburg hat nun erstmals ein Prestigeprojekt von Bernhard komplett exekutiert: Das geplante Oberklassenmodell mit dem Arbeitstitel Tourer. Es wäre ein ganz besonderes Auto geworden.

FRANKFURT. Der Tourer sollte eine Mischung aus Van und Coupe werden. Gebaut wird er nun aber doch nicht. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen, die damit einen Bericht der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ bestätigten. Ein VW-Sprecher sagte, der Konzern kommentiere seine kommende Modellpolitik grundsätzlich nicht.

Volkswagen-intern wird das Ende des Tourer als Signal Winterkorns an seine Mitarbeiter interpretiert, dass Bernhard definitiv Geschichte ist. Mit der Entscheidung wird zum ersten Mal ein gesamtes Auto aus der Bernhard-Ära gestoppt. Den Wagen habe VW ursprünglich als Konkurrent gegen die Mercedes R-Klasse ins Rennen schicken wollen. Winterkorn räume dem Fahrzeug aber zu geringe Marktchancen ein.

Winterkorn geht damit deutlicher als gedacht auf Distanz zu der Arbeit der Führungscrew um seinen Vorgänger Bernd Pischetsrieder. Zuvor hatte das neue Management bereits den Daumen über den von Bernhard entwickelten Golf gesenkt, der nun vom neuen Designchef Walter de Silva überarbeitet wird. Das bisherige Auto sehe nicht aus wie ein Golf, hatte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh jüngst im Handelsblatt kritisiert. Das wichtigste Modell der Wolfsburger wird wegen der Überarbeitungen nun erst Ende 2008 und damit später als geplant auf den Markt kommen.

Bei Volkswagen wird die offene Kritik am früheren Management damit immer lauter. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hatte Ende April auf der Hauptversammlung von Volkswagen die Berufung von Pischetsrieder erstmals offen als Fehler bezeichnet. Der frühere BMW-Vorstandsvorsitzende Pischetsrieder war seit 2002 VW-Konzernchef und damit Nachfolger Piëchs.

Piëch hatte auf dem Aktionärstreffen gesagt, er habe damals Hemmungen gehabt, den jetzigen Konzernchef Martin Winterkorn an die VW-Spitze zu holen, weil er ihm „menschlich und fachlich“ nahe stehe. „Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben“, sagte Piëch. Dies habe er „mit Mühe“ im vergangenen November korrigiert. IG Metall-Chef und VW-Aufsichtsrat Jürgen Peters hatte am Tag darauf noch nachgelegt und erklärt, die Gewerkschaft habe bereits vor einem Jahr „erhebliche Bedenken“ gehabt, den Vertrag mit Pischetsrieder zu verlängern. Der Vertrag Pischetsrieders war vor einem Jahr zunächst verlängert worden, im November 2006 aber hatte der Aufsichtsrat seine Ablösung beschlossen. Pischetsrieder wurde dann zu Jahresanfang von Audi-Chef Winterkorn abgelöst, der als Piëch-Vertrauter gilt. Pischetsrieder arbeitet aber noch als Berater für VW.

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