Oberpfälzer planen Übernahmen und den Bau neuer Werke
Holzkonzern Pfleiderer geht wieder auf Wachstumskurs

Die Sanierung und die Neuausrichtung auf das Holzgeschäft sind so gut wie abgeschlossen, jetzt blickt die Pfleiderer AG wieder nach vorne. In den nächsten drei bis vier Jahren wolle das Unternehmen den Umsatz um 500 Mill. Euro auf rund 1,5 Mrd. Euro steigern, sagte Vorstandssprecher Hans Overdiek dem Handelsblatt.

MÜNCHEN. „Vielleicht schaffen wir das aber auch schneller.“ Dazu werde das Oberpfälzer Unternehmen neue Werke bauen und Fabriken übernehmen

.

„Wir haben aufgeräumt, jetzt können wir zu neuen Ufern aufbrechen“, sagte Overdiek, der seit Sommer vergangenen Jahres an der Spitze von Pfleiderer steht. Das sind neue Töne aus dem Konzern, denn in den vergangenen zwei Jahren war die Firma vor allem mit sich selbst beschäftigt. Zudem schrieb Pfleiderer zweimal in Folge tiefrote Zahlen. Nachdem sich das Unternehmen inzwischen von zahlreichen Teilbereichen getrennt hat, geht es nun aber wieder aufwärts. Nach neun Monaten lag der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei knapp 67 Mill. Euro.

Mittlerweile konzentriert sich Pfleiderer fast vollständig auf die Holzwerkstoff-Produktion. In nächster Zeit sollen noch weitere Randbereiche außerhalb der Holzplatten- Fabrikation verkauft werden: Für die Masten-Produktion ist das Management bereits in weit fortgeschrittenen Gesprächen mit Interessenten. Denkbar sei kommendes Jahr auch ein Verkauf des Bahnschwellen-Geschäfts, heißt es in Branchenkreisen.

Börse und Anleger honorieren die Neuausrichtung: Der Aktienkurs hat seit Jahresbeginn um fast die Hälfte zugelegt. Von den Kursgewinnen profitierten nicht zuletzt große angelsächsische Fonds wie Fidelity. Beim Verkauf von 47 Prozent der Aktien durch die früheren Eigentümerfamilien im Frühjahr sind zahlreiche institutionelle Anleger eingestiegen. Die deutschen Analysten lassen Pfleiderer hingegen noch weitgehend links liegen. Eine einzige Bank nimmt das im Kleinwerte- Index S-Dax notierte Papier regelmäßig unter die Lupe.

Die Firma stellt im wesentlichen drei Produkte her: Einfache Spanplatten sowie die deutlich teureren mitteldichten und hochdichten Faserplatten. Die wichtigsten Abnehmer kommen aus der Möbelindustrie. Dabei stagniert das Geschäft in Deutschland, wächst aber rasant in osteuropäischen Ländern wie Polen. So baut Pfleiderer derzeit in Russland eine neue Fabrik und will dort auch künftig expandieren. „Wir müssen unseren Kunden in den Osten folgen“, sagt Overdiek.

Der Manager rechnet in dem umkämpften Markt mit einer weiteren Konsolidierung. Dabei will Pfleiderer eine aktive Rolle spielen. Einen ersten Schritt hat die Firma bereits getan: Mitte November übernahm Pfleiderer ein Faserplatten-Werk des insolventen deutschen Konkurrenten Hornitex. Bald werde es weitere Übernahmemöglichkeiten geben, ist Overdiek überzeugt: „Die kleinen Spieler merken, dass die Zeit für sie zu Ende geht.“

Durch die Verkäufe ist die Verschuldung von Pfleiderer massiv gesunken. Deshalb würden sich Übernahmen problemlos finanzieren lassen, sagt Overdiek. Für das kommende Jahr verspricht er ein Ebitda, das um mindestens 20 Mill. Euro über den für dieses Jahr angestrebten 85 Mill. Euro liegen soll. Zudem werde der Umsatz weiter klettern, der in diesem Jahr knapp eine Mrd. Euro erreichen soll.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%