Oberstes US-Gericht lehnt Berufung im milliardenschweren Tabakstreit ab
Tabakkonzerne kriegen Oberwasser

Die amerikanische Tabakindustrie hat bei ihrem Kampf gegen hohe Schadenersatzklagen einen weiteren Etappensieg errungen. Der Oberste Gerichtshof (Supreme Court) lehnte es ab, eine Berufung der Regierung anzuhören, mit der die Staatsanwaltschaft ihre Ansprüche auf 280 Mrd. Dollar gegen die Branche untermauern wollte.

tor NEW YORK. Eine untere Instanz hatte bereits im Februar entschieden, dass sich die Ankläger dabei nicht auf ein Gesetz gegen das organisierte Verbrechen berufen und frühere Gewinne der Tabakunternehmen abschöpfen können. Mit der Abweisung der Berufung hat der Supreme Court dieses Urteil erst einmal gestützt.

Die Klage der Regierung wurde bereits unter Präsident Clinton eingereicht und richtete sich unter anderem gegen die Philip-Morris-Mutter Altria, die Tabaktochter von Reynolds sowie British American Tobacco. Den Unternehmen wird vorgeworfen, die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens 50 Jahre lang bewusst verschwiegen zu haben. Ein Sprecher des Justizministeriums nahm zu der Entscheidung der obersten Richter nicht Stellung. Altria-Justiziar William Ohlemeyer erklärte, Philip Morris sehe die Ablehnung des Antrages der Regierung als angemessen an.

Die Tabakkonzerne bestreiten das und haben jetzt gute Chancen, einer existenzgefährdenden Strafe zu entgehen. Die Staatsanwaltschaft fordert allerdings weiterhin 14 Mrd. Dollar für eine öffentliche Aufklärungskampagne von der Branche. David Adelman, Analyst bei der Investmentbank Morgan Stanley in New York, sagt voraus, dass sich selbst dieses Strafmaß kaum noch durchsetzen lässt. Das Verfahren war im Juni nach neun Monaten zu Ende gegangen. Ein Urteil wird noch in diesem Jahr erwartet.

Die Börse reagierte auf die Entscheidung des Supreme Courts mit Kursgewinnen für die Tabakfirmen. Die Branche sei „einem massiven finanziellen Schlag entgangen“, sagte Mary Aronson, Analystin der Beratungsfirma Aronson Washington Research.

Insbesondere der Tabakkonzern Altria kann nun seine Pläne weiter verfolgen, die Tabaksparte Philip Morris endgültig von dem Lebensmittelbereich Kraft abzuspalten. Organisatorisch sind die Einheiten zwar bereits getrennt, Altria besitzt jedoch immer noch 86 Prozent der Anteile von Kraft. Der Konzern erhofft sich von einer Aufteilung eine höhere Börsenbewertung der einzelnen Geschäftsteile.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%