Öffentlich-private Partnerschaften
Hochtief will Krankenhäuser bauen und managen

Was im Ausland schon längst üblich ist, kommt nun auch in Deutschland in Gang: Baukonzerne planen, finanzieren, bauen und betreiben Krankenhäuser als öffentlich-private Partnerschaften. Für Krankenhäuser in Viersen und in Köln laufen erste Ausschreibungen für zwischen 30 und 40 Mill. Euro schwere Neubauprojekte. Ganz vorne dabei: Deutschlands größter Baukonzern Hochtief.

ESSEN. In Köln gehört Hochtief nach einer Vorauslese unter sieben Bewerbern bereits zu den letzten vier Kandidaten für den Neubau eines Gebäudes der Uni-Klinik, sagte ein Sprecher der Klinik. In weiteren Städten wie Stuttgart, Nürnberg und Münster werden Public-Private-Partnership-Modelle zur Realisierung von Kliniken geprüft.

Das Gesundheitswesen ist im Umbruch: ältere Patienten, mehr High-Tech-Medizin, strenge Sparzwänge. Kliniken und Gesundheitszentren müssen bei Neu- und Umbauten viel stärker auf Effizienz und Flexibilität getrimmt werden. Von den rund 2 100 Kliniken in Deutschland erwirtschaften gut ein Drittel derzeit ein negatives Ergebnis. Allein 2006 wurden 39 Schließungen gezählt. Private Betreiber versprechen Einsparungen und Effizienzgewinne. Beispiele vor allem in Großbritannien belegen den Erfolg. Dort wurden laut einer Studie der Depfa Bank bislang vom National Health Service (NHS) Konzessionen für über 90 Krankenhausprojekte vergeben. Die Einsparungen im Betrieb werden von Experten auf durchschnittlich 20 Prozent beziffert.

"Der Investitionsstau ist groß", sagte Roland Mörmel, Manager für PPP-Projekte im Gesundheitsbereich bei Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief. Der Investitionsbedarf der Kliniken liegt zwischen 25 bis 50 Mrd. Euro. Über die Hälfte der notwendigen Investitionen sind Baumaßnahmen. Den Baukonzernen winken Milliardenaufträge. Bislang erzielt Hochtief im Konzern zehn Prozent des Umsatzes im Gesundheitsbereich, also rund 1,6 Mrd. Euro.

Doch noch beschränkte sich das Geschäft auf den Bau von inzwischen über 500 Krankenhäusern weltweit und das Management von über 20 Gesundheitsimmobilien allein in Deutschland, unter anderem für die SRH Kliniken und die Sana-Gruppe. Nun will der Konzern alles aus einer Hand anbieten mit Ausnahme der Verantwortung für die medizinische Versorgung.

"Wir planen ein überproportionales Wachstum im Gesundheitsbereich", sagte Mörmel. In fünf Jahren will Hochtief den Ergebnisbeitrag der Sparte verdoppeln. Experten schätzen ihn allerdings noch gering ein, da er bislang vor allem aus dem reinen Baugeschäft kommt.

Im Dienstleistungsgeschäft sind die Renditen deutlich höher. Wie die Konkurrenten Bilfinger und Strabag will Hochtief das Ergebnis durch den Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts rund um Bau und Immobilien aufpolieren. Während Bilfinger, die Nummer zwei in Deutschland, bereits drei Kliniken in Großbritannien und eine in Australien betreibt, ist Hochtief in der Branche noch ein Frischling.

Mörmel rechnet sich gute Chancen aus, zumal der Trend zur Privatisierung von Krankenhäusern in Deutschland nach anfänglicher Euphorie abnimmt. Denn im Gegensatz zu den PPP-Modellen geht bei einer Privatisierung der Einfluss der öffentlichen Hand verloren, so die Depfa Bank, wie beispielsweise die Verantwortung für die medizinische Versorgung. Eine Erfolgsbeteiligung wird außerdem für immer ausgeschlossen. Denn oft können die Kliniken zusätzliche Einnahmen erwirtschaften, etwa durch Parkhäuser, die Vermietung von Shops an den Einzelhandel und Apotheken oder von Praxen an medizinische Dienstleister sowie einer Cafeteria für die Besucher.

Dass mit PPP-Modellen selbst hochspezialisierte Großprojekte der Medizintechnik machbar werden, zeigen Beispiele in Essen und in Kiel. Dabei kommt es aber entscheidend auf den Technik-Partner an. In Essen hat ein Joint Venture der Strabag und der Ion Beam Applications (IBA) den Zuschlag für Bau und technischen Betrieb eines 300 Mill. Euro schweren Protonentherapiezentrums erhalten. Protonentherapie ist eine innovative Form der Strahlentherapie zur Behandlung von Krebstumoren. Hochtief hatte ebenfalls mitgeboten, aber den Kürzeren gezogen. In Kiel hat eine Projektgesellschaft von Bilfinger und Siemens den Zuschlag für ein 250 Mill. Euro schweres Partikeltherapiezentrum erhalten. Ein weiteres Protonentherapiezentrum wird in Aachen-Maastricht als PPP-Projekt ausgeschrieben. Auch dafür interessiert sich Hochtief.

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