Öffentlicher Hilferuf
Familie Schaeffler bittet um Hilfe

In einem öffentlichen Hilferuf an den Staat hat die Familie Schaeffler sich bereit erklärt, auch selbst Opfer für die Rettung ihres Unternehmens zu bringen. Ziel müsse es sein, eine „sinnlose und von kurzfristigen Interessen getriebene Zerschlagung zu verhindern“, schrieben Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg gestern in einer Erklärung.

MÜNCHEN. Die Gruppe sei im Kern gesund und brauche nur eine zeitliche Überbrückung. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ließ in einem Schreiben an die Betriebsräte des Konzerns offen, ob der Staat als Helfer einspringt. Er teile aber die Sorgen der Beschäftigten.

Die Schaeffler-Gruppe hat sich angesichts der Finanz- und Autokrise an der Übernahme des Konkurrenten Conti verhoben. Niemand habe den „dramatischsten und schnellsten Zusammenbruch der globalen Wirtschaft in den letzten 80 Jahren“ vorhersehen können, hieß es in der Erklärung. Spätestens nach einer Erholung der Konjunktur werde man aber Investoren finden und die wirtschaftlichen Ziele der Übernahme erreichen können. „Die Schaeffler Gruppe benötigt daher eine zeitlich begrenzte Unterstützung.“

Dabei deuteten die Eigentümer deutlicher als bisher an, dass sie auch externe Investoren bei der Gruppe akzeptieren würden. Man wolle nicht einfach nur die Hand aufhalten. Da das Vermögen der Gesellschafter in der Schaeffler-Gruppe stecke, sei die Familie bereit, sich „von einem Teil dieses Vermögens zu trennen und mit dem Erlös die Verschuldung der Schaeffler Gruppe zurückzuführen“. Die Gruppe ist mit rund 22 Mrd. Euro verschuldet.

In Finanzkreisen hält man es für möglich, dass noch ein Investor gefunden wird. Die industrielle Logik hinter der Conti-Übernahme stimme weiter, hieß es bei einer Gläubigerbank. Auch die Verschuldung sei angesichts der nach wie vor vorhandenen Ertragskraft von Schaeffler akzeptabel. Allerdings ist unklar, wer als Investor in Frage kommt. Strategische Investoren haben derzeit ihre eigenen Probleme, Finanzinvestoren kommen nicht an Kapital. So bleibt vor allem die Hoffnung, beispielsweise einen arabischen oder russischen Investor zu finden, der sich mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden gibt und sich nicht allzu sehr ins operative Geschäft einmischt. Im schlimmsten Fall müssten die Gläubigerbanken selbst als Gesellschafter bei Schaeffler einsteigen. Nach Informationen aus Finanzkreisen sind inzwischen Firmenanteile als Sicherheiten für die Kredite hinterlegt.

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