Ökostrom-Umlage: Deutsche wollen Stromfresser nicht weiter entlasten

Ökostrom-Umlage
Deutsche wollen Stromfresser nicht weiter entlasten

Die Mehrheit der Deutschen will die Befreiung der energieintensiven Unternehmen von der Ökostrom-Umlage abschaffen, zeigt eine repräsentative Umfrage. Das ist zu kurz gedacht, warnen die betroffenen Unternehmen.
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DüsseldorfDie Deutschen haben kein Verständnis für die Entlastung der energieintensiven Unternehmen von der Ökostrom-Subvention (EEG-Umlage). Wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Handelsblatt Online ergab, finden 78 Prozent der Befragten die Befreiung vom Preisaufschlag auf deren Stromrechnung nicht in Ordnung. Sie fordern, dass energieintensive Unternehmen genauso wie Privatverbraucher die volle Ökostrom-Umlage zahlen sollten.

Unternehmen können für ihre deutschen Standorte eine Befreiung von der Subvention, mit der Wind- und Solarkraft gefördert werden, beantragen. Damit soll ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit bewahrt werden. Derzeit sind auf dieses Weise 2.245 Firmenstandorte von der Umlage ausgenommen. Im vergangenen Jahr waren es noch 979.

In der Bevölkerung macht sich immer mehr Unmut über das Privileg der Industrie breit. Denn der Betrag, der an die Wind- und Solaranlagenbetreiber für ihren Strom gezahlt werden muss, bleibt der gleiche – er wird nur auf weniger Schultern verteilt. Auch die Politik hat die Ausnahmeregelung bereits auf dem Kieker. Bundesumweltminister Altmaier hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass er die Befreiungen auf den Prüfstand stellen wolle. Auch seitens der Europäischen Union beäugt man die Sonderregelungen kritisch. Nach der Sommerpause will die EU-Kommission über die Einleitung eines Verfahrens entscheiden, das eine mögliche Wettbewerbsverzerrung überprüfen soll. Sollte das es Erfolg haben, würde das Millionen-Zusatzkosten für Unternehmen bedeuten.

Martin Kneer, Hauptgeschäftsführer Wirtschaftsvereinigung Metalle, beobachtet eine Verzerrung der Diskussion um die Kostenbelastung durch die Energiewende. Der Lobbyverband vertritt die Interessen von besonders stromintensiven Unternehmen wie Erzeugern und Verarbeitern von Leichtmetallen, zum Beispiel Aluminium, und Buntmetallen, zum Beispiel Kupfer. Es sei nicht richtig, dass die Industrie „weitgehend von der Zahlung der Umlagen zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz befreit ist“, sagte Kneer gegenüber Handelsblatt Online. Tatsächlich seien weniger als 10 Prozent der Metallindustrie, mit Ausnahme der Eisenunternehmen, von der Reduzierung der Ökostrom-Umlage überhaupt betroffen. „Eine künstliche Trennung zwischen Bürgern und Industrie führt zu einer destruktiven Verteilungsdebatte“ warnte Kneer. „Der Industriearbeitnehmer ist eben auch privater Haushalt beziehungsweise Mieter, der Umlagen zahlt.“

Auf Verständnis können die energieintensiven Unternehmen bei den Arbeitern jedoch am wenigsten hoffen. Laut der Forsa-Umfrage wollen 86 Prozent der Arbeiter die Umlagebefreiung abschaffen, sie stellen damit die dem Thema gegenüber am negativsten eingestellte Gruppe dar. Bei den Angestellten wollen 82 Prozent die Privilegierung streichen. Am meisten Verständnis haben die Selbstständigen, von ihnen finden 27 Prozent die Sonderregelung in Ordnung, die Beamten befürworten zu einem Fünftel die Befreiung.

Vor allem Jüngere zeigen sich verständnisvoll, dass manche Unternehmen die Ökostrom-Umlage nicht stemmen können – 24 Prozent der 18-29-Jährigen sind mit der Befreiung einverstanden.

Die Gerechtigkeitsdebatte lenke von den Ursachen der Kostenexplosion für die erneuerbaren Energien ab, findet Kneer: „Überförderung, Ineffizienz, Tempo des Ausbaus und soziale Verschiebung von Kosten für Bürger und Industrie und Nutzen für Investoren. Wer den Bürger entlasten und für die Industrie wettbewerbsfähige Bedingungen für Investitionen in Deutschland schaffen möchte, muss das Ausbautempo drosseln, das EEG von Grund auf novellieren und marktwirtschaftlich ausgestalten.“

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Deutsche wollen Stromfresser nicht weiter entlasten

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„Die Bürger zahlen so oder so die Zeche“

Kommentare zu " Ökostrom-Umlage: Deutsche wollen Stromfresser nicht weiter entlasten"

Alle Kommentare
  • hallo rozzsi
    dein Haus dein Grundstück nähe zum AKW ein Gesundheit und Rechtsssystem wie das Deutsche(recht haben und recht bekommen sind zwei paar unterschiedlichste Schuhe, nur was beweisbar ist wird zugelassen, Radioaktivität kann aber keiner sehen) Deine Nachkommen dann mit Geschwulsten die ich nicht mal demokrötischen Politniks wünsche dann Frage ich dich nochmal ob du wach bist.

  • Es ist an der Zeit, dass Bürger Widerstand gegen das korrupte System üben. Ich schlage die Gründung eines 'Bundesverband privater Energieverbraucher' vor, der unter Hinweis auf die energiesparende Verhaltensweise seiner Mitglieder die Zahlung der EEG-Umlage verweigert und diese bis in die höchsten richterlichzen Instanzen in D u. ggf. in der EU überprüfen lässt.

  • Gegenrechnung:

    39,65 x 115,94 % = 85,62 €

    Es sind definitiv 115,94% Mehrkosten/Nachzahlung im Vergleich zu 2012. Ich habe 4,766 KWZ weniger verbraucht und zahle dafür 115,94% mehr nach.

  • Sorry vertippt, es ist eine Preissteigerung um 215,94 %.

    39,65 x 215,94 % = 85,62 €

  • Für die ganz Schlauen Prozentrechner hier:

    Gesamt-Verbrauch 2012: 30,415 KWZ > Nachzahlung 39,65 €
    Gesamt-Verbrauch 2013: 25,649 KWZ > Nachzahlung 85,62 €

    39,65 € - 100% Nachzahlung in 2012
    85,62 € - ? Nachzahlung in 2013

    85,62 x 100 : 39,65 = 215,94

    215,94 - 100 = 115,94 % Preissteigerung gegenüber 2012
    trotz 4,766 KWZ weniger Verbrauch und Einsparung.

    Bitte korrigieren, wenn ich falsch gerechnet haben sollte, vielen Dank!

  • Das Grundübel ist die Energiewende selbst und das damit verbundene EEG. Während zahlreiche Länder die Kernenergie auf der Basis neuester, inhärent sicherer Kraftwerke vorantreiben, vergründummt Deutschland und fügt sich einen immensen Schaden zu. Mit welchem Recht müssen wir Verbraucher die Bereicherung der Hersteller und Vermarkter unwirtschaftlicher und ineffizienter Scheinalternativen finanzieren? "Ehrlich streiten über Kernenergie" heißt eine von kompetenter Seite verfaßte Abhandlung, welche man im Internet finden kann. Aufwachen heißt das Gebot der Stunde!

  • wo leben wir denn?
    in DEPPENDORF?
    vor 20jahren haben wir gesagt ick brauch keen atomkraftwerk
    mein strom kommt aus de steckdose
    das war damals ein witz

    heute ist es real
    da macht mein nachbar den strom aufm dach
    oder im Keller
    oder hintern haus uffm feld
    wir brauchen allso keine überlandleitungen keine EEG und sonstige abgaben und wenn der nachbar diese zwangsanleien der energieriesen von mir direkt erhält erhält das auch die freundschaft zum nachbarn.
    wer also verkaufen will,
    muss etwas dafür tun
    fängt an mit investieren.
    deutschland erwache
    lobbyisten ins Gulak arbeeten lernen

  • "Die Gerechtigkeitsdebatte lenke von den Ursachen der Kostenexplosion für die erneuerbaren Energien ab, findet Kneer: „Überförderung, Ineffizienz, Tempo des Ausbaus und soziale Verschiebung von Kosten für Bürger und Industrie und Nutzen für Investoren. Wer den Bürger entlasten und für die Industrie wettbewerbsfähige Bedingungen für Investitionen in Deutschland schaffen möchte, muss das Ausbautempo drosseln, das EEG von Grund auf novellieren und marktwirtschaftlich ausgestalten.“

    Na das klingt ja gut für die Wirtschaft aber nicht für den Verbraucher und der getroffene Hund bellt und meint: das ist zu kurz gedacht.

  • @ whiskey

    Als die Kredite und die EU-Subventionen noch unkontrolliert in den Club Med flossen konnte man dort schöne Mindestlohnstandards aufbauen.

    Ohne diese Kredite trennen diese Mindestlöhne gnadenlos in zum Mindestlohn beschäftigt oder arbeitslos. Das ist die Kehrseite des Mindestlohns.

  • Die Roth sollte sich mal mit der rot-grünen Landesregierung zusammensetzen und lernen was es für die 600 Unternehmen bedeuten würde wenn man die Umlage ohne Ausnahme von den Betrieben erheben würde.

    Vielleicht einfach mal verstehen wie viele "Firmen" die der Öffentlichen Hand gehören heute befreit sind und was die Rücknahme der Befreiung für kommunale Versorger und Verkehrsbetriebe bedeuten würde.

    Die Berichterstattung im Handelsblatt wäre besser wenn man hier in Privat- und Staatsfirmen und dann auch noch aggregiert nach Verbrauch unterscheiden würde.

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