Öl-Joint-Venture TNK-BP
Oligarchen wollen BP-Anteil haben

Das russische Konsortium AAR will für den Anteil von BP an dem Ölkonzern TNK-BP ein Angebot vorlegen. Die Offerte werde in jedem Fall konkurrenzfähig sein, heißt es. Ob es zu einem Bieterkampf kommt, ist noch ungewiss.
  • 0

MoskauIm Gezerre um den drittgrößten russischen Ölkonzern TNK-BP melden die beteiligten Oligarchen Ansprüche auf eine Komplettübernahme an. Ihr mit BP zerstrittenes Konsortium AAR bestätigte nun, dass es von seinem Vorkaufsrecht für den 50-Prozent-Anteil des britischen Ölmultis Gebrauch machen will. Milliardär German Khan kündigte im Gespräch mit der Zeitung "Kommersant" an, dass AAR eine Offerte vorlegen werde.

Dies muss bis zum 17. Oktober geschehen. Dann endet die vertraglich vorgesehene Frist, binnen der das Oligarchen-Quartett entscheiden muss, ob es den Rest des Gemeinschaftsunternehmens haben will. Erst danach dürfen andere Bieter ihren Hut in den Ring werfen. Interesse angemeldet hat bereits der staatlich kontrollierte russische Ölriese Rosneft.

Der BP-Konzern hat seine Hälfte an TNK-BP im Juni zum Verkauf gestellt, weil er sich mit AAR überworfen hat. Hintergrund ist der Wettlauf um lukrative Förderquellen in der Arktis, wo Experten ein Fünftel der weltweit noch unentdeckten Ölvorkommen vermuten. BP wollte mit Rosneft bei der Erschließung von Feldern in der Region zusammenarbeiten. AAR jedoch bestand unter Berufung auf getroffene Vereinbarungen darauf, dass nicht BP selbst, sondern TNK-BP dort mit Rosneft Öl fördert.

Khan machte deutlich, dass AAR es mit seinem Angebot ernst meine. "Es gibt noch keine endgültige Bewertung des BP-Anteils, aber in jedem Fall wird diese konkurrenzfähig sein", kündigte Khan an. BP hatte im Jahr 2003 für das Paket sieben Milliarden Dollar ausgegeben. Mittlerweile schätzen Analysten den Wert auf bis zu 25 Milliarden Dollar.

Ob es zu einem Bieterkampf um BPs TNK-BP-Beteiligung kommt, ist derzeit ungewiss. Während sich das BP-Umfeld auf einen solchen Wettstreit einstellt, haben Branchen- und Bankenkreise in Moskau daran Zweifel.

Offen ist insbesondere die Frage, ob der russische Präsident Wladimir Putin seinem engen Vertrauten und ehemaligen Vize-Ministerpräsidenten Igor Sechin, der mittlerweile an der Spitze von Rosneft steht, Rückendeckung geben würde. Ein Übernahmekampf könnte die TNK-BP-Beteiligung erheblich teurer machen. Es gibt noch keine Signale, welcher Bieter dem Kreml lieber wäre. Sechin selbst wollte am Freitag Investoren in London über Rosnefts Pläne mit TNK-BP informieren.

Sollte Sechin den Zuschlag erhalten, könnte AAR nach Khans Worten damit leben. "Wir sehen keine Probleme in einer Partnerschaft mit Rosneft", sagte der Oligarch. "Im Gegenteil: Wir haben bereits erfolgreich mit dem Staatsunternehmen zusammengearbeitet." Wenn AAR zum Zuge käme, ergäben sich verschiedene Möglichkeiten für TNK-BP, sagte Khan. Dazu gehörten ein Börsengang und die Suche nach einem neuen strategischen Partner.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Öl-Joint-Venture TNK-BP: Oligarchen wollen BP-Anteil haben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%