Öl-Spekulanten: Riesige Öllager auf hoher See

Öl-Spekulanten
Riesige Öllager auf hoher See

Der relativ niedrige Ölpreis lockt Spekulanten an – und zwar in großem Stil. In Supertankern wird überschüssiges Öl auf hoher See zwischengelagert. Die Investoren hoffen darauf, ihr Öl zu einem späteren Zeitpunkt gewinnbringend verkaufen zu können. Doch die Entwicklung der Lagerkosten könnte den Spekulanten den Spaß verderben.

LONDON/DÜSSELDORF. Folgt man den aktuellen Marktentwicklungen, könnte die Rechnung aufgehen. Der Ölmarkt befindet sich im Contango: die Terminkurse für Öl liegen also deutlich höher als die Preise der nahen Kontrakte oder zur sofortigen Lieferung (Spotmarkt). Der Brentöl-Kontrakt mit Fälligkeit im Dezember liegt beispielsweise um fast zehn Dollar höher als der März-Kontrakt. Noch höher war die Differenz mit rund 17 Dollar im Dezember. Eine solche Terminmarktstruktur spiegelt in der Regel die Erwartung steigender Preise wieder.

Wie schnell die Marktakteure bei einer Verringerung des Contangos reagieren, zeigte sich Anfang dieser Woche. Der Ölmulti Royal Dutch Shell nutzte den Anstieg des Spotmarktpreises und verkaufte 600 000 Barrel Öl an den Energiehändler Vitol. Das Öl wurde nach Informationen von Bloomberg News bereits seit Dezember auf dem Tanker gelagert. Inzwischen ist der Preis am Spotmarkt wieder deutlich gefallen.

Nach Angaben des Fachdienstes „Lloyd’s list“ transportieren Händler wie der US-Mischkonzern Koch, aber auch große Ölgesellschaften wie BP und Shell, das Öl zu den Bestimmungsmärkten in den USA, in Europa und Asien. Dort liegen die Supertanker vor der Küste und warten auf ihre Entladung in der Zukunft. Die Gefahr einer Entführung durch Piraten wie gestern bei dem deutschen Gastanker „Longchamp“ besteht in diesen Gewässern nicht.

Das Tanker-Geschäft lohnt nur, wenn der Rohölpreis steigt. Denn in der Regel werden die Schiffe gechartert, müssen also bezahlt werden. Von dem Einbruch der Rohstoffpreise, der das Geschäft mit anderen Schiffsfrachtgütern ausgebremst hat, sind die Öltanker wenig betroffen. „Bisher verdienen die Tanker noch recht gut“, sagt Burkhard Lemper, Professor am Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik ISL. Die Frage sei daher, ob es sich überhaupt rechnet, einen Tanker zu Lagerzwecken zu missbrauchen.

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