Öl und Gas schieben an
BASF erhöht nach Gewinnsprung die Prognose

BASF, der größte Chemiekonzern der Welt, hat im abgelaufenen Quartal seinen Betriebsgewinn um fast ein Drittel gesteigert. Vorstandschef Kurt Bock peilt nun deutliche Verbesserungen auch im Gesamtjahr an.
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FrankfurtDer Chemieriese BASF verbuchte, wie von vielen erwartet, sehr starke Zahlen im zweiten Quartal. Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen wurde um ein Drittel gesteigert und liegt nun bei 2,3 Milliarden Euro. Für das gesamte erste Halbjahr kann der Ludwigshafener Konzern ein Umsatzplus von 15 Prozent vorweisen. Innerhalb der ersten sechs Monate des Jahres liegt der Gewinn damit bei insgesamt 4,7 Milliarden Euro und einem Plus von 30 Prozent. Firmenchef Kurt Bock stellt für das zweite Halbjahr zwar nur noch eine leichte Ertragssteigerung in Aussicht, das bedeutet in der Terminologie der BASF aber ein Plus im einstelligen Prozentbereich.

Im Gesamtjahr dürfte der Konzern damit auf etwa 7,5 Milliarden Euro Betriebsgewinn vor Sondereffekten zusteuern. Das entspricht einer Steigerung um etwa ein Fünftel, wogegen der Konzern bislang nur ein Plus von maximal zehn Prozent prognostiziert hatte.

Das wäre voraussichtlich der zweithöchste Betriebsgewinn in der Geschichte der BASF, soweit man von steuerlichen Sondereffekten im Ölgeschäft absieht, die in früheren Jahren das Ebit des Konzerns aufblähten.

Alles in allem sprechen die Zahlen damit dafür, dass die BASF aus dem Krisenjahr 2016 deutlich gestärkt hervorgeht. Damals musste der Chemiekonzern einen heftigen Einbruch der Ölpreise, technische Probleme bei einer wichtigen Kunststoffanlage und eine gefährliche Pipeline-Explosion in Ludwigshafen verkraften.

Die höhere Prognose für das Gesamtjahr ist auch insofern ein starkes Signal, als sich einige Parameter aus Sicht der BASF verschlechtert haben. Zum einen geht der Konzern inzwischen von einem um fünf Dollar niedrigeren Ölpreis von 50 Dollar pro Barrel aus. Zum anderen wird auch mit einem höheren Dollarkurs von 1,10 Dollar je Euro gerechnet. Daraus ergibt sich für die BASF im Prinzip eine zusätzliche Belastung von etwa 350 Millionen Euro.

Allerdings wird der Gewinn derzeit relativ einseitig von der Sparte Chemikalien getrieben. Dort hat die BASF ihr Geschäft mit Grund- und Vorprodukten zusammengefasst. Bei gut acht Milliarden Euro Umsatz (plus 30 Prozent) verbesserte sich das operative Ergebnis der Sparte um erstaunliche 128 Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro. Es übertrifft damit bereits das gesamte Vorjahresergebnis. Ähnlich wie andere Akteure auf dem Gebiet profitierte auch die BASF von deutlich höheren Margen bei Kunststoff-Vorprodukten und anderen Petrochemikalien.

Auch die Öl- und Gas-Sparte konnte dank erholter Preise ihr Ergebnis gegenüber dem niedrigen Vorjahreswert mehr als verdoppeln. Mit 353 Millionen Ebit im ersten Halbjahr spielt die Sparte dennoch nur noch eine untergeordnete Rolle für die Ertragskraft des Konzerns. Ihr Ertragsanteil liegt trotz des kräftigen Anstiegs bei nur noch sieben Prozent, während sie in früheren Jahren noch regelmäßig für mehr als ein Fünftel der operativen Gewinne stand.

Insgesamt zeigt die Performance der BASF damit, dass sich die Gewichte in den letzten Jahren nachhaltig in Richtung Chemie verlagert haben.

Allerdings sind es dort vor allem die Basischemie-Aktivitäten, die für starke Ertragsdynamik sorgen. Im breit gefächerten Geschäft mit höher veredelten Chemieprodukten, das der Konzern in den Segmenten Performance-Produkte, Funktionsmaterialien und Agrochemie zusammengefasst hat, waren die operativen Gewinne im zweiten Quartal und ersten Halbjahr durchweg rückläufig. Diese „Downstream“-Bereiche wurden, wie Bock einräumte, durch die höheren Preise bei Grundprodukten belastet, die man nicht komplett an die eigenen Abnehmer weitergeben konnte.

Ein Grund, von der bisherigen Langfriststrategie abzurücken, sei das aber nicht. Das beteuerte Firmenchef Bock bei der Besprechung der Quartalszahlen für das zweite Halbjahr. „Wir wollen dort wachsen, wo es um Innovation geht und wo wir mit Technologie punkten können“, sagte er. In diesen Bereichen, etwa bei Performance-Produkten und im Agrochemiegeschäft bleibt BASF nach Aussage Bocks auch an ergänzenden Zukäufen interessiert. Ob dabei auch das Saatgut-Geschäft infrage käme, das etwa aus kartellrechtlichen Gründen im Zuge der Fusion von Bayer und Monsanto auf den Markt kommen könnte, ließ der BASF-Chef offen. Man prüfe Möglichkeiten, das Pflanzenschutzgeschäft weiter zu stärken. Inwieweit dabei Saatgut eine Rolle spielen könne sei „eine Frage, die sehr, sehr differenziert zu beantworten ist. Da gibt es keine pauschalen Antworten, und wir schauen uns sicherlich das Umfeld sehr genau an.“

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