Ölbranche
Chinesen drängen in russische Ölförderung

Sinopec ist als erster chinesischer Ölkonzern in die Erdölförderung in Russland eingestiegen. Für geschätzte knapp vier Mrd. Dollar hat der zweitgrößte chinesische Förderer den Ölproduzenten Udmurtneft erworben.

mbr/HB MOSKAU. Er gehörte bisher zum britisch-russischen Gemeinschaftskonzern TNK-BP, der den Verkauf am gestrigen Dienstag bekannt gab. Die Deutsche Bank und die Schweizer UBS organisierten den Deal. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. In Moskauer Branchenkreisen war von bis zu vier Mrd. Dollar die Rede.

Die Chinesen stachen damit die Gazprom-Tochter Gazpromneft, die österreichische OMV, die ungarische MOL, die indische ONGC und namhafte russische Bieter aus. „Das ist ein positiver Schritt, weil damit ein weiterer, weltweit angesehener Wettbewerber nach Russland kommt. Das stärkt Russlands Rolle als Energieversorger“, kommentierte TNK-BP-Chef Robert Dudley. Sinopec wollte sich zu dem Geschäft nicht äußern.

Analysten halten den Deal für teuer, da sie den Wert von Udmurtneft eher bei drei Mrd. Dollar sehen. Zudem gelten die Felder des Ölförderers als veraltet, haben aber noch Reserven von 551 Mrd. Barrel (je 159 Liter) und mögliche Vorkommen von 922 Mill. Barrel. Die Tagesproduktion von Udmurtneft liegt bei 115 000 Barrel, Sinopec kommt auf 780 000.

Der jetzige Deal sei positiv für Russland, da Sinopec an einer Erhöhung der Ölförderung bei Udmurtneft interessiert sei, sagte Analystin Jekaterina Krawtschenko von Brokerkreditservice in Moskau. TNK-BP habe zudem durch das Bietergefecht den „maximalen Preis“ erzielt.

Der Durchbruch der Chinesen in Russland kommt, nachdem die Chinesen in den USA im vorigen Jahr gescheiter waren. Chinas größter Offshore-Ölproduzent CNOOC konnte damals nach politischem Widerstand den Ölkonzerns Unocal nicht kaufen.

In Russland droht jetzt eine ähnliche Entwicklung: Die Regierung plant, große Rohstoffvorkommen nur noch unter Führung von einheimischen Unternehmen fördern zu lassen.

Am Abend meldete Dow Jones, Sinopec verkaufe 51 Prozent an Udmurtneft weiter an den staatlichen Ölkonzern Rosneft. Damit entstünde ein Joint Venture zur Ölförderung. Rosneft, das an die Börse strebt, hatte sich die wichtigste Fördertochter des durch Steuernachforderungen in den Bankrott getriebenen Yukos-Konzerns nur durch hohe Bürgschaften Chinas für Öllieferungen in das Land einverleiben können.

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