Ölbranche
Hoher Ölpreis hilft BP

BP verdient wieder etwas besser. Grund: der gestiegene Ölpreis. Für die Ölbranche eine gute Nachricht. Zuletzt hatte die Ölindustrie massiv unter der Wirtschaftskrise gelitten.
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LONDON. Auf den ersten Blick scheint es paradox: Der Gewinn des britischen Mineralölkonzerns BP hat sich im dritten Quartal halbiert. Der Umsatz ging um fast 40 Prozent zurück. Dennoch ist der Aktienkurs des nach Marktwert zweitgrößten Öl- multis gestern nach Vorlage der Ergebnisse auf ein Jahreshoch gestiegen: Er legte im Tagesverlauf um mehr als fünf Prozent auf 598 Pence zu und zog andere Branchenwerte mit.

BP-Chef Tony Hayward hat es geschafft, Anleger und Analysten gleichermaßen zu überraschen: Sie hatten angesichts der Wirtschaftskrise und des niedrigen Ölpreises mit einem viel dramatischeren Gewinneinbruch gerechnet. Gerade mal drei Milliarden Dollar hatten sie erwartet, knapp fünf Milliarden Dollar (umgerechnet 3,35 Milliarden Euro) sind es geworden bereinigt um Einmaleffekte und die Wertveränderung beim Ölbestand – nach zehn Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Die Dividende von 14 Cent je Anteilsschein will BP weiterhin beibehalten.

Haywards Sparprogramm, das er dem Konzern Anfang des Jahres verordnete, hat sich ausgezahlt – und zwar deutlich schneller als geplant: Ursprünglich sollten die Kosten bis zum Jahresende um zwei Milliarden Dollar sinken. Das hat BP bereits erreicht und daher sein Sparziel erhöht: Bis Ende 2009 sollen die Ausgaben um insgesamt vier Milliarden Dollar niedriger ausfallen als im Jahr zuvor.

BP hat zudem von niedrigeren Steuersätzen und Währungseffekten profitiert. „Doch auch das kann das starke Quartalsergebnis nicht schmälern“, schrieb ING-Analyst Jason Kenney in einem Kurzkommentar, „die Zahlen sind einfach überwältigend.“

Tony Shepard, Analyst beim britischen Brokerhaus Charles Stanley, sagte: „BP hat mit seinen guten Zahlen die Messlatte für die Konkurrenz sehr hoch gelegt.“

BP ist der erste der großen internationalen Ölkonzerne, der seine Zahlen vorlegt. Am morgigen Donnerstag folgen Royal Dutch Shell und Exxon Mobil, später Chevron und Anfang November Total. Ähnlich wie BP haben auch einige der Wettbewerber mit Stellenabbau, ambitionierten Sparprogrammen und einer Drosselung ihrer Produktion auf die Krise reagiert.

Sie hat den Ölpreis von 145 Dollar je Barrel im Sommer vergangenen Jahres auf 37 Dollar im Dezember 2008 sinken lassen. In den vergangenen Tagen hat sich der Ölpreis bei etwa 78 Dollar eingependelt, nachdem er Mitte vergangener Woche auf über 80 Dollar gestiegen war.

Inzwischen haben die Konzerne ihre Produktion wieder ausgeweitet. So hat BP Im dritten Quartal 3,9 Millionen Barrel pro Tag gefördert und damit sieben Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Konzern hat vor allem seine Produktion im Golf von Mexiko angekurbelt. Dort blieb die Ölindustrie bislang von Wirbelstürmen verschont. Im vergangenen Jahr hatten Unwetter einige Ölplattformen zerstört, so dass ein Teil der Produktion vorübergehend stillgelegt werden musste.

Erst vor wenigen Wochen ist BP auf ein neues, eigenen Angaben nach äußerst ergiebiges Ölfeld im Golf von Mexiko gestoßen. Damit werde man die Tagesproduktion in der Region ab 2020 um 50 Prozent erhöhen können, kündigte der Konzern an.

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