Ölfirma Hunt
Drei Frauen, 15 Kinder und ein „Genie-Gen“

Die Ölfirma Hunt traut sich dorthin, wo Riesen wie Shell immer wieder auf erhebliche Probleme trafen und schließlich aufgegeben haben. Das Beispiel des Unternehmens zeigt, dass sich Öl- und Gasförderung durchaus auch an ungewöhnlichen Orten lohnen kann.

PAMPA MELCHORITA. Haroldson Lafayette Hunt jr. war alles andere als ein normaler Unternehmer. Nicht nur hielt der Mann, der zeitlebens nur "H.L." gerufen wurde, gleichzeitig drei Frauen und 15 Kinder aus und war fest davon überzeugt, ein "Genie-Gen" an die Seinen weitergegeben zu haben. Auch finanzierte er die Investition, die ihn in den 50er-Jahren zu einem der acht reichsten Amerikaner machen sollte, aus einem Gewinn beim Pokern. Mit dem gewonnenen Geld kaufte er Ölfelder in Texas - die Hunt Oil Co. war geboren.

H.L. Hunt ist Geschichte, er starb 1974. Seine Firma jedoch lebt. Um deren Umsatz von etwa drei Milliarden Dollar zu erreichen, müssen Riesenkonzerne wie Shell oder Exxon bloß ein paar Tage arbeiten. Aber weil die Hunts dorthin gehen, wo die Großen aufgegeben oder nicht genau hingeschaut haben, überlebt das Unternehmen in seiner Nische. Während es Energiemultis trotz eines Ölpreises von 100 Dollar pro Fass immer schwerer zu fallen scheint, ihre Förderung zu erhöhen, schickt sich Hunt an, eben das zu tun - etwa in Peru.

20 Jahre und 450 Millionen Dollar investierte einst Royal Dutch Shell, um im Regenwald hinter den Anden im östlichen Peru Gas zu fördern. Zwischen 380 und 500 Millionen Kubikmeter sollen nahe dem Örtchen Camisea im Boden schlummern.

Doch Shell traf immer wieder auf erhebliche Probleme. Zunächst wich der Konzern 1988 den Protesten von Umweltschützern - nur um zwei Jahre später zurückzukehren. Doch 1998 gab der Riese endgültig auf, weil er sich mit Perus Regierung nicht über die Exportkonditionen für das Erdgas einigen konnte.

Ray Hunt, heute 64, griff zu. Der Sohn von H.L. Hunt hatte seinen Vater schon 1974 als Firmenchef beerbt. Mit einem argentinischen Partner baute er eine Pipeline quer über die Anden bis nach Pampa Melchorita am Pazifik. Dort will Hunt das Gas auf minus 162 Grad herunterkühlen und den flüssigen Rohstoff ab 2010 per Tanker exportieren.

Kurz vor Weihnachten erhielt das Konsortium, an dem Hunt die Hälfte hält, die Zusage über einen 400-Millionen-Dollar-Kredit von der US-Export-Import-Bank - das Hunt-Abenteuer in Peru kann weitergehen.

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