Ölkonzern dementiert Bericht über Ablösung des umstrittenen Milliardärs Chodorkowskij – Hohe Dividende möglich
Yukos-Chef bleibt nach Fusion am Steuer

Die Fusionspläne des russischen Ölriesen Yukos mit Wettbewerber Sibneft zum weltweit viertgrößten Ölkonzern nehmen konkretere Formen an: Der bisherige Yukos-Chef und Großaktionär, Michail Chodorkowskij, bleibt wohl trotz massiver Angriffe der Generalstaatsanwaltschaft und entgegen anders lautender Marktgerüchte am Steuer des neuen Konzerns.

MOSKAU. Ein Yukos-Sprecher wies gestern einen Bericht einer Moskauer Wirtschaftszeitung zurück, demzufolge der vom Konkurrenten TNK abgeworbene Yukos-Aufsichtsratschef Simon Kukes Vorstandsvorsitzender des fusionierten Unternehmens werden soll.

Anfang Oktober soll der Yukos- Vorstand Personalvorschläge für die Top-Managementposten besiegeln. Diese müssen dann von der Hauptversammlung abgesegnet werden. Yukos gehört zu 60,5 % der auf Gibraltar registrierten russischen Investorengruppe Menatep um Chodorkowskij.

Bereits am 25. September wird das Gremium voraussichtlich großzügige Dividenden für den Neunmonatszeitraum beschließen – bevor die Sibneft-Aktionäre am neu entstehenden Unternehmen beteiligt werden. Bis Jahresende soll die Fusion mit dem sibirischen Förderer vollzogen sein.

Sibneft gehört zu 92 % der englischen Millhouse-Capital-Gruppe um den russischen Gouverneur Roman Abramowitsch. Ihm gehört auch der englische Fußballclub FC Chelsea. Millhouse bekommt bei der Fusion 3 Mrd. $ und 26 % der Aktien des neuen Konzerns.

Die russische Antimonopol-Behörde hat die Fusion kürzlich bereits abgesegnet – obwohl die Staatsanwaltschaft seit Monaten im Yukos-Umfeld ermittelt und Menatep-Chef Platon Lebedew seit Juli in Untersuchungshaft sitzt.

Analysten in Moskau glauben, dass die geplante Neunmonatsdividende extrem hoch ausfallen werde. Damit soll den Yukos-Anteilseignern – allen voran dem mit geschätzten 8 Mrd. $ Privatvermögen reichsten Russen Chodorkowskij – in schweren Zeiten Geld zur Verfügung gestellt werden.

Neben den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wird Yukos auch an anderer Stelle behindert: So hat die russische Regierung noch immer nicht die geplante Pipelineroute von Sibirien nach China abgesegnet, die Yukos für Ölexporte wünscht. Dies erhöht nach einem Medienbericht Yukos’ Transportkosten für Lieferungen per Eisenbahn nach China erheblich.

Analysten gehen davon aus, dass Yukos seinen Anteilseignern 1,5 bis 2 Mrd. $ an Dividenden für Januar bis September nach 700 Mill. $ für das Gesamtjahr 2002 ausschütten könnte. So viel jedenfalls würde der Fusionsvertrag zulassen, der eine maximale Nettoverschuldung für die zusammengehenden Unternehmen festschreibt. Die genannte Summe bliebe dem Vorstand zur Ausschüttung zur Verfügung, wenn die angekündigten Aktienrückkäufe für 3,7 Mrd. $ abgewickelt sind. Steven Daschewskij, Ölanalyst des Moskauer Brokers Aton, weist allerdings darauf hin, dass Yukos bisher nie angekündigt hat, sein Schuldenlimit auch voll auszuschöpfen. Er rechnet deshalb nur mit 200 Mill. $ Ausschüttung.

Durch die Fusion entsteht mit Yukos-Sibneft ein Konzern mit einem Marktwert von rund 46 Mrd. $. Mit den US-Multis Exxon-Mobil und Chevron-Texaco laufen Verhandlungen über eine Beteiligung von 25 % an dem russischen Riesen. Zu einem Abschluss sei es dabei aber noch nicht gekommen.

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