Ölkonzern laviert weiter am Rande der Pleite
Yukos-Gründer genau ein Jahr in Haft

Heute vor einem Jahr wurde der russische Ölbaron Michail Chodorkowskij verhaftet. Doch die „Akte X“ – Chodorkowskij wird mit Kyrilliza mit X geschrieben – ist ebenso wenig geschlossen wie das Schicksal seines Yukos-Konzerns besiegelt.

mbr MOSKAU. Der Gründer, der sich die Yukos-Mehrheit bei zweifelhaften Staatsauktionen einverleibt und aus dem Ölkonzern den effizientesten Förderer der Branche geformt hat, steht seit fünf Monaten wegen des Vorwurfs des Betruges, der Steuerhinterziehung und der Bildung einer kriminellen Vereinigung mit seinem Partner Platon Lebedew vor Gericht. Seine Anwälte erwarten einen Urteilsspruch im Januar.

Das Ende des Konzerns könnte schneller kommen: Wegen hoher Steuernachforderungen soll im November die wichtigste Produktionstochter, Yuganskneftegaz (YNG), zwangsversteigert werden. Allerdings wollen die Gerichtsvollzieher laut Moskauer Medienberichten nicht den von der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein ermittelten Wert von 14 bis 17 Mrd. Dollar für YNG erreichen. Vielmehr soll der Startpreis für YNG, das zu gut 60 Prozent zur Yukos-Ölförderung beiträgt, gerade 3,5 Mrd. Dollar betragen – soviel wie der Ölriese an Steuern schuldet.

Der Zwangsverkauf wäre „das Todesurteil“, kommentiert Iskander Chisamow, Vize-Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins „Expert“. Auch Analysten rechnen für diesen Fall mit einem Zusammenbruch der Yukos-Aktien. Seit der Verhaftung sank die Marktkapitalisierung bereits von 26 auf 7,5 Mrd. Dollar.

Schon jetzt taumelt der Riese: Alle Konten sind eingefroren, Bau- und Bohrfirmen warten seit Monaten auf Geld , zahlreiche Löhne wurden nicht gezahlt. 800 Mill. Dollar Außenstände müssten Yukos eigentlich in den Bankrott treiben, doch weder das Management noch die Menatep-Gruppe der Mehrheitsaktionäre um Chodorkowskij wollen diesen Schritt gehen. Ebenso wenig die ausländischen Kreditgeber. Kremlchef Wladimir Putin hatte mehrfach betont, der Staat habe kein Interesse am Yukos-Konkurs. Mit dem Zwangsverkauf von YNG aber wäre der unausweichlich, meinen Analysten.

Gut 43 Prozent der Russen glauben, dass nach Chodorkowskij bald weitere Oligarchen-Großunternehmer vom Kreml verfolgt werden dürften. So lautet das Ergebnis einer Umfrage anlässlich des Jahrestages der Chodorkowskij-Inhaftierung in der Zeitung „Iswestija“. „Dann ist der russische Markt tot“, fürchten Moskauer Fondsmanager.

Unklar bleibt, wer YNG ersteigern könnte: Während Putin auch Unternehmen mit Staatsbeteiligung aufrief mitzubieten, dementiert Energieriese Gazprom jedes Interesse. Auch ausländische Energiekonzerne werden als mögliche Bieter genannt. Zuletzt Eon (angeblich als Käufer von YNG für Gazprom) und die italienische Eni, auch ein Partner von Gazprom. Doch bislang wurden diese Gerüchte dementiert. Die Menatep-Gruppe hat vorsichtshalber schon einmal angekündigt, gegen jeden Käufer vor internationalen Gerichten klagen zu wollen.

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