Ölkonzern
US-Politiker geißeln BP

BP gerät wegen offensichtlicher Versäumnisse bei der Wartung seiner Pipeline in Alaska unter Druck. US-Politiker erheben schwere Vorwürfe gegen den britischen Ölkonzern.

DÜSSELDORF. „Es ist erschreckend, dass BP diese entscheidende Pipeline so sehr verfallen ließ, dass ein großer Produktionsstopp notwendig wurde“, sagt der US-Kongressabgeordnete John D. Dingell, ein Mitglied des Energieausschusses der Demokratischen Partei. „BP muss alle notwendigen Schritte unternehmen, um die betroffenen Leitungen schnell zu reparieren oder auszutauschen, damit der amerikanische Konsument nicht für die Nachlässigkeit von BP zahlen muss.“

Doch genau das wird passieren. Die Rostschäden an der Prudhoe Bay Pipeline seien so weit fortgeschritten, dass die Ölleitung auf einer Strecke von rund 26 Kilometern erneuert werden muss, teilte BP mit. Damit sind fast zwei Drittel der Pipeline beschädigt. Das US-Energieministerium geht davon aus, dass die Reparatur bis Januar dauert. Der Ölpreis ist inzwischen in die Nähe der 80-Dollar-Marke gerückt. Das riesige Ölfeld Prudhoe Bay steht bisher für acht Prozent der amerikanischen Produktion. Weil es für die USA keine Möglichkeit gibt, die Förderkapazitäten anderswo kurzfristig auszuweiten, rechnen Experten mit einem weiteren Preisanstieg.

Je mehr Details zu dem Zustand der 30 Jahre alten Leitung ans Tageslicht kommen, desto peinlicher wird es für BP. Schon im März wurde der Konzern vom US-Verkehrsministerium mit einer „corrective action order“ aufgefordert, seine löchrige Leitung unter Kontrolle zu bringen. Anlass für die ungewöhnlich scharfe Mahnung war das größte Leitungsunglück in der Geschichte Alaskas. Rund 800  000 Liter traten aus der BP-Pipeline aus und verseuchten rund einen Hektar der Tundra. Bei Untersuchungen stellten BP-Techniker später fest, dass die Rohre teilweise auf weniger als einen Zentimeter Dicke weggerostet waren und eine größere Naturkatastrophe unmittelbar bevorstand.

BP versprach Besserung, wurde aber drei Monate später schon wieder ermahnt. Am 17. Juli forderte die Pipeline and Hazardous Materials Safety Administration (PHMSA), eine Abteilung des US-Verkehrsministeriums, BP auf, die Verstopfung der Prudhoe Bay Pipeline zu beseitigen. Unter anderem wurde BP zum Einsatz so genannter „Smart Pigs“ aufgefordert. Ein Smart Pig ist ein mit Sensoren ausgestattetes Gerät, das durch Ölleitungen geschickt wird, um Verstopfungen, Risse, Korrosion und andere Schäden aufzuspüren. „Diese elektronischen Kugeln entdecken jeden Fehler“, sagt Gerhard Sasse, Pipeline-Experte des deutschen Mineralölwirtschaftsverbandes. Die Schäden, die jetzt in Alaska aufgetreten sind, kann sich der Fachmann nicht erklären. Sasse: „So etwas habe ich hier noch nie gesehen.“

Während die Schäden in Deutschland Unverständnis hervorrufen, erzeugen sie in den USA Wut. „Die Schließung des Ölfeldes scheint das Resultat eines chronischen Missmanagement von BP in den USA zu sein“, sagt der Republikaner Ed Markey. Markey sitzt im Energieausschuss des US-Abgeordnetenhauses und wetterte schon im April, nach der Ölkatastrophe, gegen den Konzern. Heute sagt er: „Die Fahrlässigkeit von BP ist kläglich. Bei einem Ölpreis jenseits von 70 Dollar und Milliardengewinnen kann BP es sich leisten, seine Leitungen ordentlich zu säubern und zu warten.“

Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen machen sich Ölexperten auch Sorgen um die Umwelt. „Diese Pipeline liegt in einem Permafrostgebiet, wo sich die Natur besonders langsam erholt“, sagt Jörg Feddern, der Energiefachmann von Greenpeace. Noch heute seien 1  000 Kilometer südlich von Prudhoe Bay am Unfallort der Exxon Valdez Schäden im Pflanzen- und Tierreich zu beobachten. 1989 flossen 40  000 Tonnen des toxischen, krebserregenden Stoffes aus dem Öltanker. Feddern: „Man kann nur hoffen, dass BP seine Hausaufgaben künftig besser macht.“

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