Ölkonzerne
Bohren bis zur Katastrophe

Nach dem Unglück im Golf von Mexiko rückten BP, Shell, Exxon & Co. von heiklen Projekten ab. Doch mehr als zwei Jahre später nehmen sie die Jagd nach dem Schwarzen Gold wieder ungehemmt auf – alle, bis auf einen.
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DüsseldorfMehr als zwei Jahre nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko geht das Rennen um die Erschließung großer Vorkommen nahezu ungehemmt weiter. Fast scheint es, als hätten Energiekonzerne und Politiker keine Lehren aus dem verheerenden Unglück der Ölplattform „Deepwater Horizon“ gezogen.

Unmittelbar nach der Katastrophe hatte die US-Regierung einen sechsmonatigen Stopp von Tiefseebohrungen verhängt. Doch das Moratorium ist längst gekippt. Heute forcieren Staaten wie Konzerne die Suche nach Energiequellen. Dabei schrecken die Ölmultis auch vor Erkundungen in ökologisch hoch empfindlichen Gebieten nicht zurück – von der Tiefsee bis hin zur Arktis.

Bei der Explosion auf der Ölplattform „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 waren elf Arbeiter ums Leben gekommen. Ein Ventil, das die Ölquelle in 1500 Metern Wassertiefe abdichten sollte, versagte. Danach flossen 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer, verseuchten den Golf von Mexiko sowie die Küsten rund um das Mississippi-Delta.

Erst im August 2010 konnte die Quelle geschlossen werden. BP gilt als hauptverantwortlich für die weitreichende Umweltverschmutzung. Es war die größte Ölkatastrophe der amerikanischen Geschichte. Die Schäden für die Umwelt sind immens. Die Energiekonzerne fahren dagegen wieder Milliardengewinne ein, sogar BP. Der Konzern legt am Dienstag seine Quartalszahlen vor.

Konzerne und Staaten treiben die Suche nach neuen Energievorkommen in ökologisch sensiblen Bereichen wie der Tiefsee oder der Arktis wieder unvermindert voran. So darf der britisch-niederländische Energieriese Shell in den kommenden Monaten im amerikanischen Teil der Arktis vor der Nordküste Alaskas mit Ölbohrungen beginnen.

Mögliche Gefahren werden beiseite gewischt. „Es wird keine Ölpest geben“, sagt etwa US-Umweltminister Ken Salazar. „Ich rechne nicht mit Problemen“, gibt er sich überzeugt. Shell habe nachgewiesen, dass das Unternehmen über die Ausrüstung verfüge, um Ölaustritte ins Meer zu verhindern und im Notfall eine Ölpest einzudämmen.

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  • Vermutlich. Das Problem liegt auch hier in der Zerstörung des Prinzips der freien Marktwirtschaft durch falsche politische Weichenstellungen, nämlich Externalisierung der Folgekosten bei Schäden bei gleichzeitiger Internalisierung der Gewinn. Nur wenn Firmen die Kosten ihres schädlichen Tuns selbst tragen müssen, beginnen sie, über Schadensvermeidung ernsthaft nachzudenken.

  • Neben dem Transport hat dies auch fatale Auswirkungen auf den Handel, insbesondere Discounter wie Aldi, Lidl, Netto etc. werden auf Dauer ihr Konzept (billige Ware für die Masse der Geringverdiener) nicht mehr aufrecht erhalten können.

  • Es wird nicht ausgehen, aber es wird nicht mehr dauerhaft zu einem ökonomisch sinnvollen Preis zur Verfügung stehen. Mit ökonomisch sinnvoll meine ich, dass es so teuer wird, dass der weltweite Personen- und Warentransport nicht mehr finanzierbar (bzw. nicht rentabel) sein wird und damit der Effekt der globalisierten Wirtschaft und Ausbeutung auf lange Sicht (im Bereich von einigen Jahrzehnten) zum Erliegen kommt. Hier mag man sich streiten, ob es 15, 30 oder 50 Jahre sind, macht aber für vernünftig denkende Menschen keinen Unterschied.

    Es wird nie ausgehen, aber was bringt es uns, wenn bei einem Ölpreis von 200 Dollar und mehr, zwar neue Abbauquellen rentabel werden, aber Erdöl nur noch als Luxusartikel gehandelt wird?

    Unser weltweites Wirtschaftssystem ist aufgebaut auf günstigem Transport und günstiger Energie. Insbesondere für den Transport von Waren durch Schiffe, Flugzeuge und Lkws ist kein realistischer Ersatz in Aussicht, der Erdöl in Energiedichte, Menge und günstigem Preis ersetzen kann.

    Die Zukunft des Transportes sind Bahn, Segelschiffe, Kutschen - und Elektroautos für die Reichen. Der Rest kann Fahrradfahren oder zu Fuß gehen.

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