Ölkonzerne
Shell und Exxon brechen die Gewinne weg

Der Preisrutsch an den Rohölmärkten trifft die internationalen Energiekonzerne ins Mark. Verschärft werden die Probleme durch die Flaute im Raffineriegeschäft. Der Nachfrageeinbruch und Überkapazitäten lassen die Margen bei der Weiterverarbeitung von Rohöl empfindlich schrumpfen.

LONDON/DÜSSELDORF. Am Donnerstag meldete Europas größter Ölkonzern Royal Dutch Shell einen Gewinneinbruch um 67 Prozent auf 3,8 Mrd. Dollar. Bei der Öl- und Gasförderung fiel das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr von 6,9 auf 2,1 Mrd. Dollar, während im Raffinerie-, Chemie- und Vertriebsbereich ein Verlust von 273 Mio. Dollar anfiel.

Dem größten US-Ölkonzern Exxon Mobil erging es im zweiten Quartal kaum besser. Der Nettogewinn sackte um zwei Drittel auf 3,95 Mrd. Dollar ab. Auch der spanische Ölkonzern Repsol-YPF konnte sich dem Trend nicht entziehen. Aufgrund der schwachen Ölpreise und der geringeren Raffineriemargen brach der Nettogewinn im ersten Halbjahr auf 889 Mio. Euro ein das entspricht einem Minus von 58 Prozent. Früher in dieser Woche hatten bereits die britische BP und der drittgrößte US–Ölkonzern Conoco Phillips Gewinnrückgänge in ähnlicher Größenordnung gemeldet.

Vor einem Jahr lagen die Ölpreise noch auf einem Rekordstand von fast 150 Dollar pro Barrel. Doch die weltweite Wirtschaftskrise führte zu einem rasanten Verfall auf fast 30 Dollar. Seither haben sich die Preise zwar kontinuierlich erholt, Öl kostet mit aktuell rund 70 Dollar aber immer noch deutlich weniger als im Vorjahr. David Donora von der britischen Anlagegesellschaft Threadneedle rechnet mit einer Stagnation in den kommenden Monaten. Die Preise bewegten sich nun in einer Bandbreite: Gebremst würden sie durch den anhaltend schwachen US-Bedarf und die „historisch hohen Lagerbestände“; diese negative Faktoren würden aber durch den wachsenden Bedarf in Schwellenländern ausgeglichen. „Zudem wird die Produktion im zweiten Halbjahr wohl kaum wachsen“, sagt Donora.

Shell-Chef Peter Voser, der seinen Posten erst in diesem Monat angetreten hat, gab ebenfalls einen düsteren Ausblick für seine Branche: „Wir rechnen nicht mit einer schnellen Erholung“, warnte er. Voser richtet sich auf einen weiteren Rückgang des weltweiten Ölverbrauchs ein. Er geht davon aus, dass die Nachfrage in diesem Jahr um zwei Mio. Barrel pro Tag zurückgeht. Damit würde der seit dem Jahr 2000 anhaltende Aufwärtstrend mit einem durchschnittlichen Nachfrageplus von einer Mio. Barrel pro Tag gebrochen.

Angesichts dieser Aussichten will Voser die Restrukturierung des Shell-Konzerns weiter vorantreiben. Dazu gehört ein Umbau des Top-Managements. Die wichtigsten Führungskräfte des Konzerns mussten sich auf ihre Stellen oder neu geschaffene Positionen erneut bewerben. Inzwischen sind die 600 übrig gebliebenen Posten in der Unternehmensführung besetzt. Das entspricht einem Minus von 20 Prozent, oder 150 Arbeitsplätzen.

Voser will weiter sparen und betonte, dass „eine substanzielle Reduzierung des Mitarbeiterstabes wahrscheinlich“, sei. Shell hat derzeit rund 102 000 Beschäftigte. Außerdem sollen die Investitionen im kommenden Jahr um zehn Prozent auf 28 Mrd. Dollar sinken. An Großprojekten will der Konzern aber festhalten.

Der im Juni begonnene Restrukturierungsplan „Transition 2009“ soll vor Jahresende abgeschlossen sein. „Dies wird Shell vereinfachen und die persönliche Verantwortlichkeit der Mitarbeiter erhöhen“, hofft der Vorstandschef. Seit der Schweizer am 1. Juli Jeroen van der Veer an der Spitze des niederländisch-britischen Unternehmens ablöste, gibt es keinen Niederländer mehr im Führungsgremium des nach Marktwert zweitgrößten Ölkonzerns der Welt. Voser trat mit dem Ziel an, die Profitabilität von Shell zu erhöhen. Die liegt seit langem unter der des US-Branchenführers Exxon Mobil. mm/rp

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