Industrie

_

Ölpest am Golf: BP muss 4,5 Milliarden Dollar Strafe zahlen

4,5 Milliarden Dollar Buße, die Anklage dreier Manager, weitere mögliche Klagen. Das ist die Strafe für die Ölpest am Golf von Mexiko für BP. Doch der Ölriese dürfte sie gut verwinden.

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: BP steht vor einer Einigung mit der US-Regierung. Quelle: dpa
Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: BP steht vor einer Einigung mit der US-Regierung. Quelle: dpa

LondonZweieinhalb Jahre nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist der Energiekonzern BP zu der höchsten Geldstrafe in der US-Geschichte verurteilt worden. Der Ölmulti erklärte sich am Donnerstag in einem Gerichtsverfahren zur Zahlung einer Rekordstrafe von 4,5 Milliarden Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro) bereit. Zudem wurden drei leitende Mitarbeiter angeklagt. „Die Kultur bei BP, den Profit über die Vernunft zu stellen“, habe zu der Katastrophe geführt, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Lanny Breuer.

Anzeige

„Wir glauben, dass diese Einigung im Interesse von BP und seinen Aktionären ist“, sagte BP-Chef Carl-Henric Svanberg. Dadurch würden bestimmte Risiken abgewendet und Kapazitäten frei, sich auf bestehende Zivilklagen zu konzentrieren, erklärte er. Justizminister Eric Holder sagte, ein Großteil des Geldes solle für die Beseitigung der Umweltschäden der Ölpest verwendet werden.

In wirtschaftliche Bedrängnis dürfte BP durch die Strafzahlung nicht geraten. Der Konzern verbuchte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 25,8 Milliarden Dollar. Zudem wird die Zahlung über fünf Jahre gestreckt.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

  • Die größte Umweltkatastrophe der USA

    Die Explosion der vom BP-Konzern geleasten Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus. Bei dem Unglück starben elf Menschen, zwei weitere kamen später bei Rettungsarbeiten ums Leben.

  • Fatales Öl-Leck

    Aus einem Leck in 1500 Meter Tiefe waren fünf Monate lang insgesamt bis zu 780 Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko gesprudelt. Bei Fischern und Anwohnern des Katastrophengebiets bleibt die Sorge um Spätschäden infolge des Öls und knapp sieben Millionen Liter chemischer Öl-Bekämpfungsmittel.

  • Verheerende Folgen

    Mehr als 1000 Kilometer Küste in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurden verschmutzt. Hunderttausende Tiere wie Meeressäuger, Fische, Pelikane und Schildkröten starben an den Folgen. Die Tourismusbranche und Fischer aus der Region erlitten schwere Einbußen.

  • Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“

    Die im Golf von Mexiko gesunkene Öl-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war auf die Erkundung von Tiefseevorkommen spezialisiert. Im September 2009 erreichte sie bei einer Bohrung im Meeresboden die Rekordtiefe von mehr als 10.600 Metern.

  • Tiefsee-Plattform

    Die schwimmende Plattform konnte in bis zu 3000 Meter tiefen Gewässern eingesetzt werden. Sie wurde vom Tiefsee-Spezialisten Transocean betrieben und war für den britischen Ölkonzern BP im Einsatz.

  • Größer als ein Fußballfeld

    Die 121 Meter lange und 78 Meter breite „Deepwater Horizon“ war größer als ein Fußballfeld. Sie wurde 2001 in Südkorea fertiggestellt und konnte auch in orkanartigem Sturm mit neun Meter hohen Wellen arbeiten.

Den Angaben zufolge erklärte sich BP überdies der Sabotage schuldig, weil das Unternehmen den US-Kongress über das wahre Ausmaß der Katastrophe belogen haben soll. David Rainey, damals stellvertretender Leiter der Abteilung für Erkundungen im Golf von Mexiko, wurde nun angeklagt, weil er den Kongress getäuscht haben soll.

Zwei weitere leitende Mitarbeiter der Bohrstelle, Robert Kaluza und Donald Vidrine, wurden überdies der fahrlässigen Tötung angeklagt. Sie sollen ihren Pflichten zur Sicherheit der Arbeiter nicht nachgekommen sein. Den Angaben zufolge hätten sie die Ingenieure vor Ort anrufen und sie auf Probleme bei den Bohrungen hinweisen müssen.

Energieträger Wer die größten Ölreserven hat

Platz 10: Nigeria

In dem afrikanischen Land lagern rund 37,2 Milliarden Barrel Öl (ein „Barrel“ oder Fass Öl entspricht rund 159 Litern). Der krisengeschüttelte Staat rangiert damit noch unter den Top-10 der Öl-Nationen. Allerdings verhindert die grassierende Korruption, dass die Einnahmen aus den Rohstoff-Exporten der armen Bevölkerung zugute kommen.

Quelle: Internationale Energie-Agentur (EIA), Stand 2011.

Bild: dpa

Bei der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 waren elf Arbeiter ums Leben gekommen. Danach gelang es fast drei Monate lang nicht, das Bohrloch zu schließen. Die Plattform, die 80 Kilometer vor der Küste des US-Staates Louisiana Erkundungsbohrungen im Ölfeld Macondo vorgenommen hatte, war zwei Tage nach der Explosion gesunken.

Weil die Schutzventile versagten, flossen in den folgenden Monaten aus dem Bohrloch in 1.500 Metern Tiefe geschätzte 780 Millionen Liter Erdöl ungehindert ins Meer und verursachten eine der größten Umweltkatastrophen aller Zeiten. Erst am 15. Juli gelang es, das Ölleck am Meeresboden schließen.

  • 15.11.2012, 12:19 UhrBluecher

    Ich gehe mal davon aus, daß die Kosten für die Schadensbeseitigung von BP zu 100% übernommen wird. Wie hoch muß eine angemessene Strafe sein? 300 Tagessätze auf den Gewinn des Unternehmens oder noch höher?
    Dann bekämen die Aktionäre keine Dividende und die Vorstände keine Boni und es wäre einigermaßen alles im Lot. Ein paar hunder Millionen USD wären jedenfalls keine angemessene Strafe für einen Konzern, der hohe Mrd-Gewinne jedes Jahr ausweist.

  • 15.11.2012, 18:29 UhrLeichnam

    Diese 4,5 Milliarden holt sich BP von den Verbrauchern wieder zurück. Sprich, die Kosten werden umgelegt.

    Einen Konzern muss man bestrafen, aber wieder nicht so hart bestrafen, dass er einen Schaden (oder gar den Tod) davon trägt - selbst wenn dieser Konzern den Tod gebracht hat (noch dazu fahrlässig).

    Schließlich darf man GroßUnternehmen auch nicht in den Ruin treiben, hängen daran doch Arbeitnehmer und das sind Wähler.

    Ein Ölmulti ist ohnehin strategisch wichtig. Niemand hätte Interesse daran, solche Unternehmen in den Untergang zu schicken. Was wären die Aktionäre wütend, wo bliebe dann deren Geld, wo die Gewinne?

    Da gibt es doch einen schönen Science-Fiction-Film: Sie leben!

    Sollte man sich mal anschauen - in dem Film liegt das vergraben, was ich oben ansprach. Wer aufpasst, versteht den Schinken.

  • 15.11.2012, 18:39 Uhrbabsack69

    Wenn ich sage,dass Ölkonzerne verbrecherisch handeln und die Strafen,die gegen sie verhängt werden lächerlich sind und auf dem Weg von Steuererleichterungen wieder reingeholt werden, bin ich also unsachlich und mein Beitrag wird gelöscht.
    Oder war es der Teil,dass ich dafür bin dieses Pack zur Hölle zu schicken?

  • Die aktuellen Top-Themen
Ölbohrfirma: Catoil-Vorstand empfiehlt Annahme von Joma-Angebot

Catoil-Vorstand empfiehlt Annahme von Joma-Angebot

Die Aktionäre der österreichischen CAToil sollten das Übernahmeangebot von Großaktionär Joma annehmen. Das empfiehlt der Vorstand der Ölbohrfirma, auch wenn die Absichten des Bieterunternehmens noch unklar sind.

Erneuter Cyberangriff: Hacker stehlen mehr als eine Millionen Staples-Daten

Hacker stehlen mehr als eine Millionen Staples-Daten

Erneut muss ein amerikanisches Unternehmen einen Daten-Diebstahl durch Hacker vermelden. Mehr als eine Millionen Kreditkarteninformationen könnten die Angreifer bei der Büroartikel-Kette Staples erbeutet haben.

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläumsfestivitäten – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer