Ölpest in Brasilien
Chevron drohen höhere Strafen

Nachdem die brasilianische Umweltbehörde bereits eine Strafe von über 20 Millionen Euro gegen den Konzern verhängte, muss dieser sich jetzt möglicherweise auf Bußgelder von insgesamt über 100 Millionen Euro einstellen.
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Rio de JaneiroWegen der Ölpest vor der Küste des brasilianischen Bundesstaats Rio de Janeiro muss der US-Ölkonzern Chevron mit Strafzahlungen in Höhe von umgerechnet rund 107 Millionen Euro rechnen.

Die brasilianische Umweltbehörde hatte wegen des Öllecks vor der Küste des Landes bereits eine Strafe von 50 Millionen Reais (20,5 Millionen Euro) gegen den Konzern verhängt. Nach neuen Angaben können mehrere weitere Strafzahlungen hinzukommen. Daneben droht dem Unternehmen der Verlust brasilianischer Lizenzen.

Zusätzlich kündigte Brasiliens Ölbehörde zwei Forderungen wegen „Falschinformationen“ hinsichtlich der Bemühungen zur Bekämpfung der Ölpest von jeweils knapp 21 Millionen Euro an. Der Bundesstaat Rio will laut Umweltministerium wegen eines „Angriffs auf die Artenvielfalt im Meer und auf die Ökosysteme an der Küste“ zudem gut 41 Millionen Euro zusätzlich einklagen. Sollte Chevron dem Ministerium nicht glaubhaft versichern können, dass es sich um eine Eindämmung der Katastrophe bemüht, drohen zudem weitere gut vier Millionen Euro Strafe.

Die brasilianische Energieaufsicht ANP versicherte indes, es handele sich bei dem Bohrunfall nicht um ein „großes Desaster“. Ein Bericht von ANP mit konkreten Zahlen über die Menge des ausgetretenen Öls wird für diese Woche erwartet.

Rios Umweltminister Carlos Minc hatte am Montag angekündigt, sein Staat werde kein „Ort der Straflosigkeit“ bei ökologischen Vergehen sein. Chevron könne nicht nur zur Zahlungen weiterer Entschädigungen verpflichtet werden, sondern auch für die kommenden fünf Jahre von der Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen werden. Er nannte das Unglück „vermeidbar“ und warf Chevron „Nachlässigkeit“ vor. Energieminister Edison Lobao sagte nach einem von Präsidentin Dilma Rousseff einberufenen Krisentreffen, die Regierung werde den Vorfall „mit äußerster Härte“ untersuchen und ahnden.

Der US-Konzern hatte zuvor die „volle Verantwortung“ für die Ölpest übernommen, die durch eine Bohrung vor der Küste des Bundesstaates Rio de Janeiro ausgelöst worden war. Das an den Probebohrungen beteiligte Unternehmen Transocean habe keine Mitschuld. Die in der Schweiz ansässige Firma war durch die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko in die Schlagzeilen geraten. Der BP-Konzern hatte damals von Transocean die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ geleast, deren Explosion im April 2010 die größte Umweltkatastrophe in der US-Geschichte auslöste. Damals waren über Monate hinweg 780 Millionen Rohöl ins Meer geflossen.

Der Austritt des Öls in Brasilien war am 9. November entdeckt worden. Das betroffene Bohrloch von Chevron befindet sich nahe dem Ölfeld Campo Frade rund 370 Kilometer vor der brasilianischen Küste. In der Nähe liegen Routen von Walen und Delfinen.

Über die Menge des ausgetretenen Öls gibt es höchst unterschiedliche Angaben. Nach Angaben der brasilianischen Umweltbehörde Ibama liefen seit dem Unfall 5000 bis 8000 Barrel Öl ins Meer. Chevron spricht von 2400 Barrel (mit je 159 Litern). Das entspräche einer Menge von 381.600 Litern. Nach Schätzungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die Satellitenbilder von dem Ölteppich auswertete, traten täglich rund 3700 Barrel aus. Bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko waren täglich rund 3000 Barrel Öl ins Meer gelaufen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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