Ölpreis bremst Schlüsselindustrie

Maschinenbauer exportieren weniger

In China kühlt die Konjunktur ab, die Ölförderländer stecken in der Krise und Großbritannien verabschiedet sich aus der EU: Angesichts dieser Situation halten sich die Maschinenbauer wacker – exportieren dennoch weniger.
Die Ausfuhren der Maschinenbauer in die Mitgliedstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) schrumpften im Durchschnitt um 16,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Quelle: dpa
Generatorenwerk

Die Ausfuhren der Maschinenbauer in die Mitgliedstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) schrumpften im Durchschnitt um 16,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Konjunkturabkühlung in China und die Probleme der Ölförderländer bremsen Deutschlands Maschinenbauer. Die Exporte der deutschen Schlüsselindustrie sanken im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nominal um 1,1 Prozent auf 76,7 Milliarden Euro, wie der Branchenverband VDMA am Montag in Frankfurt berichtete. „Damit können wir angesichts der schwierigen Umstände in vielen Regionen der Welt durchaus zufrieden sein“, sagte Konjunkturexperte Olaf Wortmann.

Die Exporte nach China sanken deutlich um 11,5 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass sich das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, die derzeit in einem Umbauprozess steckt, in den nächsten Jahren stetig abschwächt. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Vereinigten Staaten China als wichtigsten Einzelmarkt für Maschinen „Made in Germany“ vom ersten Platz verdrängt. Die Ausfuhren in die USA verringerten sich im ersten Halbjahr leicht um 0,9 Prozent.

Deutlich zu spüren bekam die mittelständisch geprägte Branche die Probleme der Ölförderländer wegen des Ölpreisverfalls. Die Ausfuhren in die Mitgliedstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) schrumpften im Durchschnitt um 16,3 Prozent. In einigen Märkten wie Saudi-Arabien und Brasilien war der Rückgang den Angaben zufolge sogar doppelt so hoch.

Als Stabilitätsanker erwies sich aus Sicht der Branche die EU, in die fast die Hälfte (47,3 Prozent) der exportierten Maschinen gingen. Die Ausfuhren in die EU stiegen um 1,7 Prozent, in der Euro-Zone gab es ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Westen hui, Osten pfui
Tops: USA
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Seit 1961 war Frankreich ununterbrochen der wichtigste Exportkunde der deutschen Wirtschaft – die USA haben diese Ära nun beendet. Die Ausfuhren in die weltgrößte Volkswirtschaft zogen um rund ein Fünftel auf mehr als 105 Milliarden Euro an. Ein Grund dafür ist das robuste Wachstum dort, ein weiterer der schwache Euro. Er macht deutsche Waren in den USA billiger und schiebt den Absatz an.

Indien
2 von 8

Das große Schwellenland ist 2015 wirtschaftlich schneller gewachsen als das benachbarte China. Das zahlt sich für die deutschen Unternehmen aus: Deren Exporte nach Indien legten um rund zehn Prozent zu. Allerdings ist der Umsatz mit mehr als neun Milliarden Euro noch bescheiden. Zum Vergleich: der mit China ist etwa sieben Mal so groß. Experten sehen daher noch viel Luft nach oben.

Großbritannien
3 von 8

Das Vereinigte Königreich gehört zu den am schnellsten wachsenden Industrieländern. Das lässt die Kassen der deutschen Unternehmen klingeln, deren Ausfuhren auf die Insel um rund 14 Prozent auf mehr als 83 Milliarden Euro anzogen. Der schwache Euro sorgt auch hier für einen zusätzlichen Schub.

Euro-Zone
4 von 8

Nach Jahren der Krise kommt das Geschäft mit den Euro-Ländern wieder in Schwung. Der Export in die 18 Staaten kletterte um 5,9 Prozent auf 435 Milliarden Euro. Mehr als 36 Prozent der deutschen Ausfuhren landen in der Währungsunion – mehr als doppelt so viel wie in den beiden größten Volkswirtschaften USA und China zusammen.

Flops: China
5 von 8

Die Zeit des überschäumenden Wachstums im China-Geschäft ist erst einmal vorbei. 2015 sanken die Ausfuhren ins Reich der Mitte – zum ersten Mal seit 1997. Sie nahmen um mehr als vier Prozent auf gut 65 Milliarden Euro ab. Für 2016 erwarten die meisten Experten bestenfalls eine leicht anziehende Nachfrage. China bleibt trotzdem einer der fünf größten Abnehmer deutscher Waren.

Russland
6 von 8

Rezession, Ölpreiseinbruch, westliche Sanktionen: War Russland noch vor wenigen Jahren der am schnellsten wachsende deutsche Exportmarkt, so gehört er wegen dieser drei Faktoren inzwischen zu den am kräftigsten schrumpfenden. Um ein Viertel sind die Umsätze eingebrochen, nachdem es 2014 ähnlich stark nach unten ging. Experten erwarten erst 2017 wieder ein Plus.

Brasilien
7 von 8

Viele Unternehmen setzten lange Hoffnungen in die größte Volkswirtschaft Südamerikas. Doch sinkende Rohstoffpreise und Korruption setzen Brasilien zu. Die Folge: Die deutschen Exporte dorthin schrumpften um rund drei Prozent.

  • dpa
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