Wette auf den Ölkurs lohnt sich für Anleger
Von Ralf Drescher
Anleger sehen die Ölhausse aus zwei Perspektiven: Zwar drücken die hohen Energiekosten auf die Konjunktur und auf die Gewinnperspektiven der Unternehmen. Das sorgt für Abgabedruck an den Aktienmärkten. Aber Finanzdienstleister haben eine Reihe von Anlageprodukten im Angebot, mit den Investoren an steigenden Ölpreisen partizipieren können.
Selbst an den Aktienmärkten winken im Zuge der Ölpreis-Rally Chancen. So empfehlen Analysten Ölkonzerne und Öl-Servicegesellschaften zum Kauf. Im Gegensatz zu den Energie-Notierungen sind deren Aktienkurse bisher kaum gestiegen. Seit Anfang des Jahres liegen diese Papiere im Minus, während der Ölpreis seither rund 50 Prozent zugelegt hat. Hintergrund sind Befürchtungen dass die Ölkonzerne zu wenig neue Quellen erschließen und die Zeit hoher Gewinne bald auslaufen dürfte. Analysten halten die Sorgen kurzfristig jedoch für übertrieben, Ölaktien seien daher massiv unterbewertet.
Für Anleger, die das Einzelwertrisiko bei Aktien scheuen, bieten Fondsgesellschaften und Zertifikate-Emittenten Produkte an, die das Risiko auf verschiedene Aktien des Sektors streuen. Zwischen den einzelnen Produkten bestehen aber große Unterschiede. Zum einen variiert die Zusammensetzung der Aktienkörbe zum Teil erheblich. Zum anderen müssen sich Anleger entscheiden, ob sie auf aktiv gemanagte Fonds zurückgreifen möchten, bei denen sie von der Titelauswahl eines Fondsmanagers abhängen. Als Alternative bieten sich Exchange Traded Funds (ETFs) an, die einen Branchenindex passiv abbilden. Auch die meisten Zertifikate investieren passiv in Aktienkörbe.
Während Aktien, Fonds und Aktienzertifikate einen indirekten Zugang zum Öl schaffen, können Anleger auch direkt an der Entwicklung des Ölpreise partizipieren. So haben fast alle Derivate-Emittenten Zertifikate im Sortiment, die die Entwicklung von Öl-Kontrakten an den Terminbörsen widerspiegeln. Je nachdem, welche Options-Konstruktionen die Produkte enthalten, können Anleger mit Derivaten auf einen steigende oder fallenden Ölpreis spekulieren. Komplizierter strukturierte Produkte schaffen für sicherheitsorientierte Investoren auch die Möglichkeit, mit vollem oder partiellem Kapitalschutz in Öl zu investieren.
An Risikobereite richten sich hingegen Optionsscheine und Hebelprodukte wie Turbo- oder Knock-Out-Zertifikate. Anleger nehmen hier an Kursbewegungen in die gewünschte Richtung überproportional teil. Im Gegenzug droht bei einzelnen Produkten auch der Totalausfall.
Dieses Risiko teilen die Hebelprodukte mit so genannten Contracts for Difference (CFDs). Mit diesen wetten Anleger bei spezialisierten Brokern außerbörslich auf kurzfristige Ölpreisveränderungen. Dabei muss nur ein geringer Teil des Kapitaleinsatzes als Sicherheitsleistung hinterlegt werden, wodurch Gewinne bis zum 20-fachen gehebelt werden. Gleiches gilt allerdings auch für Kursverluste. Liegt etwa die Mindestleistung – wie bei vielen CFD-Anbietern üblich – bei fünf Prozent des Einsatzes, reicht schon ein Preisrutsch um fünf Prozent aus, um das Kapital komplett zu vernichten.

