Ölproduzent
Wintershall könnte Rekordgewinn einfahren

Dank erhöhter Produktion in Libyen erwartet Wintershall einen rekordhohen Gewinn. Chef Rainer Seele forderte von Politikern mehr Engagement im arabischen Raum. Zudem sei der Einsatz von Fracking in Deutschland notwendig.
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Wintershall, der größte deutsche Öl- und Gasproduzent, steht vor dem Einfahren eines Rekordgewinns. Vor allem die unerwartet starke Produktionssteigerung in Libyen dürfte dazu beitragen, meinen Analysten. Wintershall-Chef Rainer Seele sagte dem Handelsblatt (Dienstags-Ausgabe): „Statt 75.000 Barrel produzieren wir derzeit 85.000 Fass Rohöl pro Tag. Wir erreichen so ein deutlich höheres Förderniveau als erwartet.“

Die BASF-Tochter baut zudem mit der Verlegung einer Pipeline ihr Engagement in Libyen aus. Seele forderte zudem von der Politik in Berlin und Brüssel, sich deshalb verstärkt dem arabischen Raum zuwenden: „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel“, verlangte Seele die strategische Verflechtung mit den großen Förderländern Russland, Norwegen und den arabischen Staaten. Vor allem die bisher vernachlässigte arabische Welt müsse mehr in den Fokus gerückt werden.

Mit strategischen Partnerschaften solle erreicht werden, dass Firmen aus den Abnehmerländern leichter Zugang zu Energiequellen bekommen und sich zugleich Investoren aus den Förderländern vermehrt in Europa engagieren können sollen. Demhingegen werden bisher westliche Wettbewerber immer stärker durch Nationalisierungen von Lagerstätten verdrängt zugunsten von Staatskonzernen in den Förderländern.

Seele fordert zudem den Einsatz der umstrittenen Fracking-Technologie bei der Gasförderung in Deutschland. Diese Technik zur Förderung von Öl und Gas in bisher auf konventionellem Wege unzugänglichen Lagerstätten sei nötig: „Ohne Fracking wird die Gasproduktion in Deutschland schnell zurückgehen“, sagte Seele dem Handelsblatt (Dienstags-Ausgabe).

Laut Seele spielt neben der Versorgungssicherheit für Deutschland aber auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit eine Rolle in der Fracking-Frage: „Ohne eigene Gasförderung in Deutschland haben wir keine Referenzen, die wir im Werben um Lagerstätten-Beteiligungen international erfolgreich einsetzen können“, sagte Seele. Denn Partnerschaften würden Staatsenergiekonzerne nur noch mit westlichen Firmen eingehen, die Technologie-Vorteile brächten: „Man kann in Zukunft nur noch Zugang zu Reserven bekommen, wenn man einen Mehrwert generieren kann in einer solchen Partnerschaft“, meinte Seele. „Wir müssen also verstärkt in Technologien investieren, sonst werden wir im Ringen um Lagerstätten nicht erfolgreich sein. Das wird ein Wettbewerb der Technologien.“

Mit der Fracking-Technologie kann Gas aus bislang schwer zugänglichen Gesteinsschichten gefördert werden. Dabei wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck in die Tiefe gepresst, damit sich im Gestein feine Risse bilden und das Gas entweichen kann. Vor wenigen Jahren gelang der Technologie in den USA der Durchbruch. Wegen des Einsatzes von Chemikalien steht die Technik aber auch in der Kritik von Umweltschützern. Seele sagte deshalb für Wintershall „die Einhaltung höchster Umweltstandards dabei“ zu. Die BASF-Tochter hatte sich zudem verpflichtet, Fracking nicht in Wasserschutzgebieten einzusetzen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • "Wegen des Einsatzes von Chemikalien steht die Technik aber auch in der Kritik von Umweltschützern. Seele sagte deshalb für Wintershall „die Einhaltung höchster Umweltstandards dabei“ zu. Die BASF-Tochter hatte sich zudem verpflichtet, Fracking nicht in Wasserschutzgebieten einzusetzen."

    Wenn ich das schon lese, bekomme ich einen Hals.
    Nicht nur das die CO2 Frage offensichtlich niemanden wirklich interessiert, natürlich werden die Öl-Staatskonzerne nur Verpflichtungen eingehen, wenn diese dadurch Fortschritt und Technologie zurück bekommen. Wer hätte was anderes gedacht?
    Aber Fracking ist kein Fortschritt, sondern eine weitere Möglichkeit unsere Umwelt kaputt zu "ernten". Und den Energiestoff Erdöl kann man heute künstlich herstellen, und zwar CO2-Neutral bis -20%.
    Fortschritt sieht für mich anders aus.

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