Ölriese lenkt ein
Shell ändert für bedrohte Grauwale Pipelineroute

Der Ölriese Shell hat diese Woche nach massivem Druck von Umweltschützern seine umstrittenen Pläne fallen gelassen, Öl- und Gas-Pipelines durch die Futtergründe des bedrohten Westpazifischen Grauwals zu bauen.

HB FRANKFURT. Stattdessen werden die vor der russischen Insel Sachalin geplanten Leitungen nun 20 Kilometer südlich verlegt - außerhalb der sensiblen Zone, hieß es aus dem niederländisch-britischen Unternehmen. Dies ist offenbar mit erheblichen Mehrkosten verbunden.

Das unter der Federführung von Shell stehende Betreiberkonsortium "Sakhalin Energy" hatte die Bauarbeiten am größten Öl- und Gasförderprojekt der Welt bereits Mitte vergangenen Jahresteilweise gestoppt, um eine umfangreiche Studie über die Auswirkungen auf die Tiere abzuwarten. Vom Westpazifischen Grauwal gibt es laut der Umweltorganisation WWF derzeit nur noch etwa 100 Exemplare - darunter lediglich 23 fortpflanzungsfähige Weibchen.

Die von der Schweizer Weltnaturschutzunion IUCN Mitte Februar veröffentlichte Untersuchung hatte schließlich ergeben, dass Lärm und Ölverschmutzung die Tiere gefährden.

Andererseits sind die Ölreserven vor Sachalin eine wichtige Einnahmequelle für Russland und die Gegend. Laut Shell sollen zwei neue Plattformen in dem Gebiet Öl und Gas im Wert von 45 Milliarden US-Dollar fördern und etwa eintausend neue Jobs schaffen. Jedoch hatte auch die lokale Bevölkerung gegen den ursprünglichen Verlauf der Pipelines Stimmung gemacht.

"Für Shell geht es vor allem darum, einen ähnlichen Image-Schaden wie bei der (1995 geplanten) Versenkung der ,Brent Spar‘ zu verhindern", sagte WWF-Artenschützer Stefan Ziegler gestern gegenüber NEWS. Der Ruf von Shell hatte erheblich gelitten, als der Konzern damals die Ölplattform im Meer versenken wollte. Die von Greenpeace geleitete und von den Medien in aller Welt aufgegriffene Kampagne führte dazu, dass Shell von dem Vorhaben Abstand nahm und die Brent Spar schließlich an Land zerlegen und entsorgen ließ.

Dem WWF zufolge ist der Kampf in Sachalin mit der jetzt beschlossenen Umverlegung der Pipelines aber nicht abgeschlossen. Nach wie vor halte Shell an einer ebenfalls umstrittenen Förderplattform in der Piltun-Bucht vor der Küste der Insel fest. Ziegler forderte Shell deshalb auf, auch für die Bohrinsel nach Alternativen zu suchen. Das hatte schon der Bericht der IUCN-Forscher verlangt.

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