Ölstreit
Oligarchen verklagen BP wegen TNK-BP

Im Kampf um die Vorherrschaft bei der TNK-BP wird die nächste Runde eingeläutet. Vor einem internationalen Schiedgericht soll nun festgestellt werden, ob Robert Dudley, Chef des Gemeinschaftsunternehmen, einseitig versucht hat, Kontrolle über das operative Geschäft des Konzerns zu erlangen. Das Ziel der russischen Kläger: Die Absetzung der BP-Manager.

MOSKAU/LONDON. Der Streit zwischen den Aktionären des russisch-britischen Ölkonzerns TNK-BP spitzt sich zu. Die russischen Anteilseigner wollen wegen BP vor ein internationales Schiedsgericht in Stockholm ziehen sowie eine Klage in Moskau einreichen, sagte ein Sprecher der russischen Seite der Nachrichtenagentur Reuters. Ziel sei es, die von BP entsandten Manager abzulösen.

Der Vorwurf richtet sich vor allem gegen den Chef des Gemeinschaftsunternehmens, Robert Dudley. Dieser habe einseitig versucht, im Interesse von BP die Kontrolle über das operative Geschäft des drittgrößten russischen Ölförderers zu erlangen. BP weist dies zurück. Zur Anrufung des Schiedsgerichts wollte BP nicht Stellung nehmen.

TNK-BP, der drittgrößte Erdölkonzern in Russland, gehört zu je 50 Prozent BP und einem Konsortium russischer Geschäftsmänner (AAR) – der Alfa Group von Mikhail Fridman und German Khan (25 Prozent), Access Industries von Leonid Blawatnik (12,5 Prozent) und Renova von Wiktor Wekselberg (12,5 Prozent). Der Streit zwischen den Partnern war kürzlich an die Öffentlichkeit gelangt, als Dudley in einem Interview erstmals Differenzen zwischen BP und den russischen Anteilseignern über die Expansionsstrategie einräumte. Das russische Konsortium verlangte daraufhin seinen Rücktritt.

Während BP-Chef Tony Hayward gestern in London betonte, dass beide Seiten in Gesprächen blieben, erklärte AAR diese für gescheitert. BP habe ein Ultimatum mit einer Reihe von Forderungen verstreichen lassen, heißt es. Die Aufforderung von Seiten BPs wiederum, ihre Anteile zu verkaufen, habe AAR abgelehnt.

Das russische Konsortium will nun offenbar eine Machtverschiebung im Aufsichtsrat der TNK-BP Holding, die in Russland registriert ist und rund 80 Prozent des Anlagevermögens bilanziert. Hier sitzen bisher neun Mitglieder – fünf Ausländer und vier Russen. Die russischen Oligarchen verlangen eine paritätische Besetzung. Beschlüsse, die das Gremium zuletzt gefasst habe, sollten vor der Hauptversammlung am 26. Juni rückgängig gemacht werden.

BP wirft der russischen Seite vor, Vereinbarungen gebrochen zu haben. Seit zum Jahreswechsel das Stillhalteabkommen zwischen den Anteilseignern erloschen ist, kommt der Konzern nicht zur Ruhe, obwohl alle Beteiligten betonen, nicht verkaufen zu wollen. In Branchenkreisen hieß es, die AAR-Aktionäre wollten die Kontrolle über den lukrativen Ölförderer übernehmen, um bei einem Verkauf ihrer Anteile einen höheren Preis zu erzielen. Sie stünden unter dem Druck der russischen Regierung, ihre Beteiligung an ein staatliches Energieunternehmen zu verkaufen, fürchteten aber, für den 50-Prozent-Anteil ohne operative Kontrolle nicht den tatsächlichen Firmenwert zu erhalten. Der werde grob auf zwischen 15 und 30 Mrd. Dollar geschätzt.

Am vergangenen Wochenende hatte ein hoher russischer Beamter betont, in der Regierung bestehe kein Interesse, dass staatlich kontrollierte Konzerne wie Gazprom oder Rosneft bei TNK-BP einstiegen. Dies wäre schlecht für das Image Russlands. Der Streit habe sich daran entzündet, dass vor allem die Alfa Group das Unternehmen international entwickeln wolle, womit BP wiederum nicht einverstanden sei, so der Beamte.

Das Schiedsverfahren in Stockholm dürfte langwierig werden, heißt in der Branche. Solche Verfahren dauerten in der Regel mehr als ein Jahr. Ein kritisches Datum ist der 31. Juli, wenn die Visa vieler BP-Manager auslaufen. Sollten sie bis dahin nicht verlängert werden, droht das die Geschäfte von TNK-BP ernsthaft zu beeinträchtigen.

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