Österreich
Schmuggler treiben Zigarettenfabrikanten in den Wahnsinn

Der Eigentümer JTI schließt das letzte Zigarettenwerk Österreichs. Die Produktion werde wahrscheinlich nach Polen verlagert. Schuld an der Tabak-Krise sei der Schmuggel aus Osteuropa.

HainburgNoch riecht es in den engen Altstadt-Gassen von Hainburg nach frischem Tabak. Auch eine Spur Obst, gemischt mit Honig, liegt in der Luft, alles Zutaten für die Zigarettenproduktion in dem kleinen Örtchen 50 Kilometer östlich von Wien und nicht mehr allzu weit entfernt von der slowakischen Grenze. Seit mehr als 200 Jahren wird in Hainburg Tabak verarbeitet. Kaiser Joseph II. hatte damals die "Österreichische Tabakregie" ins Leben gerufen. Ende des 18. Jahrhunderts war das der Name des kaiserlichen Unternehmens, aus dem später das Staatsmonopol "Austria Tabak" geworden ist.
Doch spätestens im nächsten Jahr ist Schluss. Der kleine Ort in Österreich verliert seinen wichtigsten Industriebetrieb, gut 300 Beschäftigte müssen gehen. Staat und Regierung haben bei "Austria Tabak" nichts mehr zu sagen, des Kaisers Zeiten sind lange vorüber. Die letzte Tabakfabrik in der Alpenrepublik ist heute in privaten Händen. Der Staat hat sein Tabakmonopol vor zehn Jahren für einen Milliardenbetrag versilbert, inzwischen hat der japanische Tabakriese JTI in der österreichischen Zigarettenfabrik das Sagen.
Doch auch JTI leidet unter sinkendem Absatz. Schuld ist nicht etwa ein neues Gesundheitsbewusstsein, sondern der Schwarzmarkt. "Es wird zu viel geschmuggelt", schimpft der Hainburger JTI-Manager Alfred Orsolits. Die "exzessiven Tabaksteuern" in der Europäischen Union hätten die Preise über die vergangenen Jahre hinweg viel zu sehr in die Höhe getrieben. Die Raucher wichen aus und besorgten sich ihre Zigaretten unversteuert.
Das ist vor allem im Osten Österreichs ein Problem, wo Tschechien, die Slowakei und Ungarn direkt vor der Haustüre liegen. Orsolits beklagt zwar besonders die letzte Tabaksteuererhöhung in Österreich, die die Verkaufszahlen seit Jahresbeginn noch einmal nach unten gedrückt habe. Das Werk wäre aber wahrscheinlich auch ohne die zusätzliche Belastung geschlossen worden. Denn überall in Europa beklagen Hersteller, dass zu wenig geraucht wird - zumindest zu wenig legal gekaufte und damit auch versteuerte Zigaretten.
JTI lässt in Hainburg längst nicht mehr nur die klassischen österreichischen Zigaretten Memphis und Smart produzieren, sondern auch internationale Marken wie Benson & Hedges. Rund 60 Prozent der gesamten Hainburger Produktion gehen ins europäische Ausland. Doch selbst das konnte Österreichs letzte Tabakfabrik nicht retten. Das JTI-Werk ist auch damit nicht ausgelastet.

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