Österreich
Voestalpine senkt die Finanzierungskosten

Mit einem Antrag auf Staatsgarantien für Kredite im Volumen bis zu 300 Millionen Euro will sich der österreichische Stahl- und Verarbeitungskonzern Voestalpine Spielraum sichern. Experten erwarten, dass die Flaute in der Branche noch eine Weile andauern wird. Der Konzern bezeichnet den Antrag als reine Vorsorgemaßnahme.

DÜSSELDORF. Der österreichische Stahl- und Verarbeitungskonzern Voestalpine hat Staatsgarantien für Kredite im Volumen von bis zu 300 Mio. Euro beantragt. Wie ein Firmensprecher sagte, handelt es sich um eine Vorsorgemaßnahme, die die Liquidität des Unternehmens sichern solle. Eine Kapitalerhöhung sei nicht geplant, betonte der Sprecher.

In jüngster Zeit haben mehrere europäische Stahlkonzerne die Kapitalmärkte mit Bondemissionen oder der Ausgabe neuer Aktien angezapft. Analysten werten dies als deutliches Indiz dafür, dass die Flaute in der Branche noch eine Weile andauern wird. Die Unternehmen decken sich mit Liquidität ein, um den krisenbedingt stark rückläufigen Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft auszugleichen.

Erst am Wochenende hatte Branchenprimus Arcelor-Mittal eine 30-jährige Anleihe über eine Mrd. Euro begeben. Zuvor hatte der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller Salzgitter eine Wandelanleihe über 300 Mio. Euro bei institutionellen Investoren platziert. Der große Rivale Thyssen-Krupp hat 2009 bereits Anleihen im Volumen von drei Mrd. Euro am Markt platziert. Insgesamt nahmen die europäischen Stahlkonzerne seit Anfang des Jahres über Wandel- und Unternehmensanleihen zehn Mrd. Euro ein. Mit der Ausgabe neuer Aktien, wie beispielsweise bei Arcelor und dem Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co., erhöhten die Unternehmen ihr Eigenkapital um 2,3 Mrd. Euro.

Durch die Staatsgarantien kann Voestalpine Kredite zu günstigeren Konditionen aufnehmen. Diese wiederum helfen dem Konzern, teure Altschulden abzulösen. "Das Unternehmen verhält sich rational, wenn es solche Angebote wahrnimmt", sagte BHF-Analyst Hermann Reith.

Das laufende Geschäftsjahr, das im März 2010 endet, erweist sich bisher als das schwierigste seit Jahrzehnten für Voestalpine. Im ersten Quartal brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel auf 2,1 Mrd. Euro ein. Zugleich schrieb das Unternehmen vor Steuern rote Zahlen. Allein die Zinsbelastung betrug 86,4 Mio. Euro. Durch die Übernahme des Edelstahlherstellers Böhler-Uddeholm hatte sich Voestalpine hoch verschuldet. Ende Juni lagen die Nettofinanzschulden bei 4,2 Mrd. Euro - das entspricht 100 Prozent des Eigenkapitals.

Seit Sommer verzeichnet Voestalpine jedoch wieder eine steigende Nachfrage nach Flachstahlprodukten in Europa. Da sich eine Verbesserung der Kapazitätsauslastung abgezeichnet hatte, ließ Voestalpine die Kurzarbeit am Standort Linz Ende August vorzeitig auslaufen. Zum Ende des zweiten Geschäftsquartals erwartet der Konzern ein ausgeglichenes Ergebnis, im Gesamtjahr peilt Vorstandschef Wolfgang Eder unverändert einen kleinen operativen Gewinn an.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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