Österreicher wollen schlagkräftigen Baukonzern formen
Die Strabag nimmt Europa ins Visier

Mit dem Kauf wesentlicher Teile des insolventen Walter-Bau-Konzerns macht die Wiener Strabag-Gruppe einen großen Schritt auf dem deutschen Markt. Die Österreicher werden im Verbund mit ihrer Kölner Strabag-Tochter auf einen Schlag Deutschlands Marktführer im Straßenbau und rücken näher an das Spitzenduo Hochtief und Bilfinger Berger heran. Damit ist der Expansionshunger der Strabag noch nicht gestillt. Geplant ist die Übernahme der Stuttgarter Ed. Züblin AG.

HB MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Denn mit der Übernahme der Walter-Bau-Anteile hat die Strabag auch 4,9 Prozent an Züblin miterworben und damit einen Fuß in die Tür bei den Stuttgartern gesetzt. Darüber hinaus will sie ein 48,7-Prozent-Paket an Züblin kaufen, das aber bei der Bayern LB liegt. Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner plant aus der so verstärkten Strabag einen schlagkräftigen europäischen Baukonzern zu formen. Im Gläubigerausschuss war die 48,7-Prozent-Beteiligung kein Thema. Sie gehört zwar zum Vermögen der Walter Bau, ist aber an die Bayern LB verpfändet. Über die Beteiligung werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden, teilte Insolvenzverwalter Werner Schneider mit.

Denn der Bank liegt auch noch ein Angebot der Familie Lenz vor, die mit 43 Prozent Großaktionär bei Züblin ist. Am Dienstag hatte auch Deutschlands größter Baukonzern Hochtief Interesse an Züblin bekundet und will sich dafür mit Lenz verbünden. Damit könnte ein Bieterrennen um den Anteil der Bayern LB entbrennen und den Preis in die Höhe treiben. Zuvor hatte schon Bilfinger Berger Interesse an dem Walter-Bau-Paket inklusive des attraktiven Verkehrswegebaus angemeldet.

Das vergleichsweise späte Interesse der großen deutschen Baukonzerne wird in der Branche als Störmanöver gegen den Markteintritt der Österreicher gewertet, nachdem Versuche misslangen, den Verkehrswegebau einzeln zu erwerben. In Deutschland locken in den nächsten Jahren milliardenschwere öffentliche Aufträge für Infrastrukturprojekte. Gleichzeitig werden im Zuge der EU-Osterweiterung Großprojekte in Osteuropa ausgeschrieben. Eine starke Strabag kann den Konkurrenten Hochtief und Bilfinger Berger da nicht gefallen.

Die Pleite der Walter Bau hat auch ein Schlaglicht auf die schwache deutsche Bauwirtschaft geworfen. Erinnerungen an den zusammengebrochenen Frankfurter Philipp-Holzmann-Konzern wurden wach. Weitere Baupleiten zeichnen sich ab: Die deutsche Baubranche geht in ihr elftes Krisenjahr. Ein Ende des Abschwungs ist nicht in Sicht. In Europa gehört Deutschland aber trotz Baukrise zu den „big five“ und bleibt einer der größten internationalen Baumärkte.

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