Österreichische Energiekonzerne
OMV und „Verbund“ fusionieren

Österreichs größter Öl- und Gaskonzern OMV übernimmt den benachbarten Energieversorger „Verbund“ für 13 Mrd. Euro. Durch die Fusion entsteht das größte Unternehmen Österreichs. Der Plan ist allerdings umstritten.

HB WIEN. Wie die OMV-Führung am Mittwoch in Wien bekannt gab, soll der Zusammenschluss bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Die Fusion mit der Österreichische Elektrizitätswirtschafts-AG (Verbund AG) soll im Verhältnis 60 zu 40 erfolgen, teilte OMV mit. Das Angebot von 425 Euro je Verbund-Aktie liege 20 Prozent über dem durchschnittlichen Kurs der letzten sechs Monate. Alternativ können Verbund-Aktionäre ihre Anteile im Verhältnis 1 zu 6,5 in neue Aktien der entstehenden "OMV Verbund AG" tauschen.

Die einen Experten sagen dem Unternehmen vor allem in Mittel- und Osteuropa gute Marktchancen voraus. Durch ein Zusammengehen würden beide Unternehmen nichts für das eigentliche Geschäft gewinnen, sagen dagegen andere Experten. OMV verkaufe nicht mehr Öl und Gas, der Verbund erhalte keine zusätzlichen Kraftwerke, um Strom zu produzieren. Die Konzerne selbst rechnen durch den Zusammenschluss mit Einsparungen in Höhe von zusammen mindestens 100 Mill. Euro pro Jahr.

Die Politik unterstützt das Vorhaben. Vizekanzler Hubert Gorbach sagte dem Handelsblatt, dass die Regierung das Projekt "wohlwollend" beurteile. Er sieht für ein fusioniertes Unternehmen größere Chancen im internationalen Geschäft. Der Staat hält 31,5 Prozent der OMV-Anteile und 51 Prozent beim Verbund. Eine Reduktion des Staatsanteils auf 25 Prozent plus eine Aktie an dem neuen Unternehmen solle gesetzlich abgesichert werden, um mit einer Sperrminorität die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, hatte Finanzminister Karl-Heinz Grasser gesagt. Das Parlament muss mit Zwei-Drittel-Mehrheit ein Gesetz ändern, damit der Staat seine Verbund-Anteile abgeben darf.

Der Leiter der Bundeswettbewerbsbehörde in Österreich, Walter Barfuß, erwartet von den EU-Kartellwächtern eine eingehende Prüfung, letztlich allerdings die Genehmigung unter Auflagen. Ein Zusammengehen von OMV und Verbund würde gleich mehrere Bedingungen für eine EU-Wettbewerbsprüfung erfüllen. Allerdings bleiben die Größenverhältnisse nach wie vor bescheiden. Während beispielsweise die deutsche Eon durch die Vereinigung mit der spanischen Endesa auf 75 Mrd. Euro Umsatz käme, schafften es OMV und Verbund zusammen gerade auf 18 Mrd.

Durch den Zusammenschluss entsteht das mit Abstand größte Unternehmen Österreichs. Gemeinsam kommen OMV und Verbund auf 18 Mrd. Euro Umsatz. OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer bezeichnete die Einigung zum Zusammengehen als großen Erfolg. Die Stärken von OMV und Verbund würden sich ideal ergänzen. Die OMV als führender Öl- und Gaskonzern sichere mit ihrem Raffinerie-, Tankstellen- und Großkundengeschäft die Versorgung von rund 100 Millionen Menschen und profitiere von einer nahezu weltweiten Öl- und Gasförderung. Darüber hinaus habe die OMV eine starke Position in einem weiteren Geschäft mit erheblichem Zukunftspotenzial: beim Gastransit, Speicher und mit ihrer 50-Prozent-Tochter Econgas sowie ihren rumänischen Aktivitäten im Gasverkauf.

Verbund wiederum erzeugt mit 107 Wasserkraftwerken und 9 Wärmekraftwerken jährlich etwa 29 000 Gigawattstunden elektrische Energie, das entspricht rund der Hälfte des österreichischen Stromverbrauchs. Insgesamt steht dem Verbund eine Kraftwerksleistung von 8 300 Megawatt zur Verfügung. Die Stromerzeugung des Verbund basiert zu 90 Prozent aus Wasserkraft.

Die OMV Verbund AG soll von einem siebenköpfigen Vorstands-Team geleitet werden, bestehenden aus den bisherigen Vorständen der beiden Unternehmen. An der Spitze sollen zwei Vorstandsvorsitzende stehen. Die Staatsholding ÖIAG mit dem OMV-Kernaktionär Ipic aus Abu Dhabi würden in Zukunft gemeinsam etwa 45 Prozent an der neuen Gesellschaft halten, hieß es.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%