Österreichische OMV
Streit um goldene Aktien von ungarischer MOL

Der österreichische Energieversorger OMV hat sein Übernahmeangebot für den ungarischen Konkurrenten Mol erneuert und versucht jetzt den Druck auf das Management in Budapest zu erhöhen. OMV teilte am gestrigen Dienstag mit, beim zuständigen ungarischen Gericht rechtliche Schritte gegen MOL eingeleitet zu haben. Es geht um vom ungarischen Staat gehaltene "goldene“ Aktien.

WIEN. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf Bestimmungen der MOL -Satzung, die nach Ansicht der OMV auch nach ungarischem Recht nicht erlaubt sind. Im Detail geht es um vom ungarischen Staat gehaltene "goldene“ Aktien. Sie räumen dem Staat ein Vetorecht ein, falls eine Mehrheit der Aktionäre verlangt, eine noch existierende Stimmrechtsbeschränkung zu kippen. Die Regel beschränkt das Stimmrecht für alle Aktionäre außer dem Staat auf zehn Prozent, worin die OMV eine Diskriminierung sieht, die sie ebenfalls beklagt. Außerdem erhebt sie Einspruch gegen die Vorschrift in der MOL -Satzung, nach der nur eine begrenzte Anzahl an Vorstandsmitgliedern gleichzeitig abberufen werden kann. OMV beschreitet nach eigenen Angaben jetzt den Gerichtsweg, um einer Verjährung der betreffenden Ansprüche zum Jahresende vorzubeugen.

Ende September hatte der österreichische Konzern, der selbst bereits rund 20 Prozent der MOL -Aktien besitzt, erklärt, dass er in der Lage sei, den MOL -Aktionären ein Angebot von 32 000 ungarische Forint (127 Euro) pro Aktie in bar zu unterbreiten. Allerdings gilt das Milliarden-Angebot erst, wenn die Mol-Satzung, die die Stimmrechte beschränkt, geändert wird. Gleichzeitig mit dem Angebot, warb OMV bei den MOL -Aktionären für den Übernahmeplan mit dem Argument, dass sich nur ein vereinter Konzern zwischen den ganz großen Energieversorgern wie etwa Gazprom oder Shell behaupten kann. OMV -Konzernchef Wolfgang Ruttenstorfer sieht Synergiemöglichkeiten bei einem Zusammenschluss beider Konzerne und rechnet mit Rückenwind seitens der Aktionäre für sein Vorhaben: "Der allergrößte Teil der Aktionäre unterstützt uns. Und es gibt niemanden, der eine Fusion für eine dumme Idee hält“, sagte Ruttenstorfer gestern dem Handelsblatt.

Das MOL -Management reagierte auf den neuen OMV -Vorstoß erneut mit Ablehnung und sprach von einem "feindlichen Übernahmeversuch“. Im Gegensatz zu den Österreichern glauben die Ungarn, dass sie im Sinne der Aktionäre mehr Wert schaffen, wenn sie selbständig bleiben. Sie warnen davor, dass etwa wegen Kartellauflagen der operative Gewinn von MOL nach einer Fusion um 250 Mill. Dollar einbrechen könnte.

Zu einem Spitzengespräch zwischen Ruttenstorfer und MOL–Chef Zsolt Hernádi ist es seit Monaten nicht gekommen, wobei Ruttenstorfer gestern seine Aufforderung zu einem Treffen wiederholte. Weigere sich der MOL -Vorstand will die OMV von ihrem Recht als Großaktionär Gebrauch machen und eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen – was allerdings eher eine Show werden dürfte: Denn auch bei einem solchen Aktionärstreffen kann die OMV angesichts der derzeit herrschenden Stimmrechtsbeschränkung wenig ausrichten.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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