Österreichischer Energieproduzent
OMV investiert kräftig in Bayern

Der österreichische Energieversorger und- produzent plant eine Großinvestition in Bayern. OMV baut sein Chemieanlagen und Tankstellennetz aus. Bedingung ist jedoch der Bau einer 360 Kilometer langen Ethylenleitung.

WIEN. Wie sowohl Unternehmenskreise als auch das Bayerische Wirtschaftsministerium dem Handelsblatt bestätigten, will OMV die eigenen Chemieanlagen im bayerischen Chemiedreieck östlich von München und das OMV-Tankstellennetz in Süddeutschland ausbauen. Die Investitionen dürften eine gut dreistellige Millionenhöhe erreichen. Am kommenden Montag wollen der stellvertretende OMV-Chef Gerhard Roiss sowie der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber das Projekt gemeinsam in München vorstellen.

Die OMV ist der führende Energieerzeuger in Mitteleuropa und hat nicht zuletzt dank hoher Ölpreise in den vergangenen Jahren kräftig verdient. Konzernchef Wolfgang Ruttensdorfer erwartet für dieses Jahr ein Rekordergebnis. Der Versuch des Unternehmens im Sommer, den größten österreichischen Energieversorger Verbund zu übernehmen, scheiterte am Widerstand der Regionalpolitiker in Österreich. Die Investitionen in Deutschland dürften nun vor allem auch den Raffinerieverbund Bayernoil betreffen, an dem die OMV mit 45 Prozent wichtigster Anteilseigner ist. Ruttensdorfer hatte bereits angekündigt, die Raffinerien in Bayern so umzubauen, dass die Produkte den geänderten Kundenbedürfnissen entsprechen: Sie sollen künftig mehr Diesel und weniger Benzin produzieren. Mit ihren Anteilen an der Bayernoil verfügt die OMV in Bayern über eine jährliche Rohölverarbeitungskapazität von 8,8 Mill. Tonnen.

Voraussetzung ist Bau einer Ethylen-Pipeline

Voraussetzung für die Investitionen der Österreicher ist der Bau einer Ethylen-Pipeline von Münchsmünster bei Ingolstadt nach Ludwigshafen. Ohne die 360 Kilometer lange Leitung für Ethylen, ein Gas zur Herstellung von Kunststoffen wie PVC, ist es um die Zukunft des Chemiestandorts Bayern schlecht bestellt. Das gut 140 Mill. Euro teure Projekt wird nach einer Entscheidung der Europäischen Union, die Mitte dieses Monats gefallen ist, mit 45 Mill. Euro aus Brüssel unterstützt. Der Rest dürfte vom Land Bayern und den beteiligten Firmen wie der OMV kommen.

Ohne die Pipeline hätte sich nach Aussage von OMV-Vize Roiss die Frage gestellt, „ob wir unsere Anlagen in der Raffinerie Burghausen für 200 Mill. Euro ausbauen oder ob wir sie in zehn Jahren schließen“. Erst die Pipeline gebe den Herstellern und den Abnehmern von Ethylen Planungssicherheit, da Schwankungen von Angebot und Nachfrage mit einer Anbindung des bisher nur regionalen Netzes an den nordwesteuropäischen Ethylen-Verbund ausgeglichen werden könnten, hatte Roiss bereits im vergangenen Jahr erklärt.

Außer der OMV stellt in der Region Ruhr Oel in Münchsmünster Ethylen her. Abnehmer sind dort sowie in Burghausen und Gendorf die Chemieunternehmen Borealis, Clariant, Vinnolit und Wacker-Chemie. Als Verbraucher und Hersteller von Ethylen wollte sich zudem die BASF an der Pipeline beteiligen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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