Österreichischer Ölkonzern gerät in Rumänien unter Druck
OMV vergeht die Freude an Petrom

Vor zwei Jahren galt der Zusammenschluss des österreichischen Ölkonzerns OMV und dem rumänischen Konkurrenten Petrol als großer Erfolg. Von einem „Parade- und Vorzeigeunternehmen“ wurde gesprochen. Doch nun, kurz vor dem Beitritt Rumäniens zur EU, gerät das Ostgeschäft der Österreicher politisch unter Druck.

WIEN. Damals war die Welt noch in Ordnung: „Der heute vertraglich fixierte Zusammenschluss von Petrom und OMV ist die größte je erfolgte Auslandsinvestition eines österreichischen Unternehmens und für beide Seiten ein großer Erfolg“, sagte ein sichtlich stolzer österreichischer Wirtschaftsminister Martin Bartenstein im Juli des Jahres 2004. Von einem „Parade- und Vorzeigeunternehmen“ sprach er noch.

Heute, gut fünf Wochen vor dem EU-Beitritt Rumäniens würden solche Worte zumindest im Land selber nur spöttisches Gelächter hervorrufen. In einer politisch aufgeheizten Stimmung wird der OMV-Petrom-Deal in Rumänien als Beispiel misslungener Privatisierung diskutiert und könnte andere ausländische Großinvestoren in Mitleidenschaft ziehen.

Der Kauf von Petrom ist mit rund 4,5 Mrd. Euro inklusive Folgekosten , die OMV ausgibt, die größte Privatisierung in Rumänien. Durch den Zusammenschluss wurden die Österreicher Marktführer in Mitteleuropa. Die Akquisition trug dazu bei, dass die OMV-Aktie bei Analysten an Attraktivität gewonnen hat. In den vergangenen Monaten allerdings war die Euphorie gedämpft. Technische Probleme führten nach Auskunft von OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer im dritten Quartal dazu, dass der Rückgang des Betriebsergebnisses bei Petrom mit 36 Prozent noch stärker ausfiel als im Gesamtkonzern. Das „Petrom-Wunder“ sei verblasst, hatten Analysten der Unicredit bereits im Spätsommer festgestellt. Goldman Sachs kündigte an, hinsichtlich der Erwartungen an die Erfolge in Rumänien „größere Vorsicht“ walten zu lassen. Vor allem einer der größten Hoffnungsschimmer, die Angleichung der rumänischen Gaspreise an das EU-Niveau und damit deutlich höhere Erlöse, ließ auf sich warten. Rumänien wurde der EU-Beitritt zugesichert, obwohl die Gaspreise nur halb so hoch waren wie im EU-Durchschnitt.

Das Aufatmen in der österreichischen OMV-Konzernzentrale dürfte deswegen zunächst groß gewesen sein, als die rumänische Gasregulierungsbehörde im Oktober zustimmte, die Gaspreise um 8,5 Prozent zu erhöhen. Doch die Freude währte nicht lang. Die Oppositionsparteien in Rumänien nutzten die Erhöhung um Stimmung gegen die Regierung und die Österreicher zu machen. In Zeitungen tauchte ein angeblicher Geheimdienst-Bericht auf, der der OMV vorwarf, rumänische Raffinerien auszubeuten und die Förderung bewusst herunterzufahren, und der Fragen nach dem Zustandekommen des OMV-Petrom-Deals stellte. Da gleichzeitig bekannt wurde, dass der ehemalige rumänische Ministerpräsident Adrian Nastase wegen Bestechlichkeit angeklagt wird und da auch der jüngste Bericht von Transparency International Rumänien in Sachen Korruption ein miserables Zeugnis ausstellte, geriet der Kauf weiter ins Zwielicht. Das rumänische Wirtschaftsministerium nahm den Vertrag mit der OMV unter die Lupe. Am gestrigen Mittwoch beschäftigte sich sogar der Verteidigungsrat des Landes unter dem Stichwort „Nationale Versorgungssicherheit“ mit dem Kauf.

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