Oetker bestreitet nach Übernahme von Brau und Brunnen Auswirkungen auf Arbeitsplätze
Gewerkschaft sorgt sich um Standorte des neuen Brauriesen

Nils S. Andersen, Chef der dänischen Carlsberg- Brauerei, wird enttäuscht sein. Wollte er doch im Vorfeld der Branchenmesse Internorga noch in den nächsten Tagen mit Brau-und-Brunnen-Chef Michael Hollmann über eine mögliche Übernahme der Premiummarke „Jever“ reden. Doch der 45jährige kommt zu spät. Der Oetker-Konzern hat Ende letzter Woche den Schlussstrich unter die langwierigen Verhandlungen mit der Münchner Hypovereinsbank (HVB) gezogen und zahlt zunächst 220 Mill. Euro für deren 61,7 %-igen Anteil an dem Dortmunder Getränkekonzern.

DÜSSELDORF. Den übrigen Aktionären hat Oetker ein Übernahmeangebot zum selben Preis von 80 Euro je Aktie vorgelegt, Oetker will mindestens 75 % der Aktien erwerben. Übernommen werden auch Pensionsverpflichtungen in Höhe von 225 Mill. Euro.

Durch diesen Coup wird der Oetker-Konzern, zu dem bereits die Frankfurter Radeberger-Gruppe gehört, knapp vor dem belgischen Brauriesen Interbrew (Marken: Beck’s, Diebels, Hasseröder) Nummer eins auf dem deutschen Biermarkt. Mit der Übernahme von Brau und Brunnen und Marken wie Jever, Berliner Pilsner, Brinkhoffs und Tucher wird sich der Bierabsatz der Bielefelder Gruppe auf knapp 15 Millionen Hektoliter im Jahr erhöhen.

Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung- Genuss-Gaststätten (NGG), befürchtet, dass die Aktivitäten von Radeberger und Brau und Brunnen mittelfristig zusammengelegt werden könnten. Insbesondere Dortmund und Berlin seien für beide Gruppen Produktions- und Vertriebsstandorte. „Die Gewerkschaft NGG erwartet, dass der derzeitige Übernahmekampf nicht auf den Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird“, appelliert der Gewerkschaftschef vor allem an die Bielefelder Konzernlenker. Auch die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) spricht von einer bedenklichen Entwicklung.Auswirkungen auf die insgesamt rund 6 000 Arbeitsplätze gebe es aber derzeit nicht, sagte der Oetker- Generalbevollmächtigte und Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer. Die beiden Braugruppen sollen nebeneinander unter dem Dach von Oetker Platz finden. Die Firmenzentralen Frankfurt und Dortmund blieben bestehen. „Pils passt prima zu Pudding und Pizza“, schilderte Kallmeyer die Bandbreite von Oetker bei Lebensmitteln.

"Auf der gleichen Wellenlänge

„Wir ergänzen uns sehr gut“, sagte der Dortmunder Vorstandschef Michael Hollmann, als er zu seiner neuen Rolle befragt wurde. Das wird von einigen Branchenkennern allerdings heftig bezweifelt. Seit Jahren soll die beiden Konzernlenker eine tiefe Abneigung trennen. Eskaliert sei der Streit nach der gescheiterten Übernahme von Brau und Brunnen durch den US-Finanzinvestor One Equity Partners Ende letzten Jahres, der insgeheim Teilbereiche von Brau und Brunnen wie die Premiummarke „Jever“ an Radeberger weiterreichen wollte, so Marktbeobachter.

Doch in den vielen Gesprächen der letzten Wochen hätten beide wieder zueinander gefunden, beschreibt ein Brau-und-Brunnen- Sprecher die derzeitige „Großwetterlage“. Kallmeyer und Hollmann harmonierten inzwischen recht gut miteinander und lägen „auf der gleichen Wellenlänge“.

Auf jeden Fall kann Mehrheitsaktionär HVB, der einen Buchgewinn von 50 Mill. Euro erzielte, mit einer gewissen Freude auf die Arbeit des Brau-und–Brunnen-Chefs zurückblicken: Bei Hollmanns Amtsantritt vor zwei Jahren dümpelte der Aktienkurs des Unternehmens auf dem Niveau von 15 Euro.

Dass das Fusionstempo im deutschen Biermarkt auch nach Abschluss der Verhandlungen bei Brau und Brunnen und Holsten nur wenig abnehmen wird, prophezeien Branchenkenner wie Herbert Latz- Weber, Herausgeber des „Getränke- Newsletter online“: „Ich rechne damit, dass mindestens noch eine große internationale Brauerei auf dem deutschen Markt tätig wird“, sagte Latz-Weber.

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