Oetker verliert Prozess
Aldis „Flecki“-Pudding bleibt im Kühlregal

„Paula“ gegen „Flecki“: Heute ging das Duell der Comic-Kühe in die letzte Runde. Mit einem klaren Sieger: Aldi darf seinen „Flecki“-Pudding weiter verkaufen - obwohl das Gericht ihn als Nachahmung einstuft.
  • 6

DüsseldorfDer Lebensmittel-Konzern Dr. Oetker hat im Streit um gefleckten Kinderpudding gegen Aldi verloren. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht stufte Aldis Pudding „Flecki“ am Dienstag zwar als Nachahmung von Oetkers Verkaufshit „Paula“ ein, sah aber ausreichend Abstand zum geschützten „Paula“-Design gewahrt.

Oetkers Erfolgspudding „Paula“ wird mit einer Comic-Kuh mit Sonnenbrille seit 2006 vermarktet. „Flecki“ wird von Aldi Süd seit dem vergangenen Jahr ebenfalls mit einer Comic-Kuh vermarktet, die statt Sonnenbrille aber Blümchen und Kuhglocke trägt.

Das Gericht wies mit der Entscheidung einen Berufungsantrag von Dr. Oetker gegen ein Landgerichtsurteil zurück. Das OLG schloss sich im Grundsatz der Auffassung des Landgerichts an, dass „Flecki“ das Geschmacksmuster, das Dr. Oetker für „Paula“ zusteht, nicht verletzt. Auch ahme „Flecki“ den Pudding „Paula“ nicht in unlauterer Weise nach.

Auf Anfrage von Handelsblatt Online begrüßte Aldi Süd das Urteil. In einigen der 31 Regionalgesellschaften werde der „Flecki“-Pudding weiterhin als Testartikel im Sortiment geführt, hieß es.

Das Landgericht Düsseldorf hatte bereits am 1. März einen Eilantrag von Dr. Oetker auf ein europaweites Verkaufsverbot für den „Flecki“-Pudding abgelehnt. Das OLG musste nun in zweiter Instanz über die Forderung von Dr. Oetker nach einem Verbot entscheiden.

Es war ein Kampf der Giganten im deutschen Lebensmittelhandel. Oetker, einer der größten deutschen Markenartikel-Hersteller, hatte seinen Kinderpudding „Paula“ bereits vor sieben Jahren auf den Markt gebracht und sich das an ein Kuhfell erinnernde charakteristische braun-weiße Muster des Schoko-Vanille-Puddings designrechtlich schützen lassen. Der auffällige Pudding hat sich seitdem einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent bei Kinder-Fertigdesserts erobert.

Deutschlands größter Discounter Aldi hatte ein ähnliches Produkt unter dem Namen „Flecki“ in sein Angebot aufgenommen. Oetker sah dadurch sein eingetragenes europäisches Geschmacksmuster verletzt. Außerdem warf das Familienunternehmen Aldi vor, den mit Werbemillionen aufgebauten Ruf von „Paula“ auszubeuten.

Denn auch wenn Aldi einen anderen Namen verwende und die Aufmachung unterschiedlich sei, werde „eine relevante Anzahl der Verbraucher“ wegen der Ähnlichkeit der Produkte denken, „Paula“ gibt es bei Aldi billiger, sagte der Oetker-Anwalt im Juni. Schließlich sei Aldi dafür bekannt, dass es auch von Markenartiklern hergestellte Produkte unter eigenen Namen verkaufe. Dies könnte einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht darstellen.

Aldi wies die Vorwürfe zurück. Der Discounter habe getan was möglich sei, um eine Verwechslung der Produkte zu vermeiden, betonte ein Prozessvertreter des Unternehmens. Das Produkt und seine Verpackung unterschieden sich deutlich vom Oetker-Pudding. Von einer Herkunftstäuschung oder Rufausbeutung könne keine Rede sein. „Pudding ist kein Imageprodukt mit dem man Leute beeindrucken kann“, sagte der Anwalt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

Kommentare zu " Oetker verliert Prozess: Aldis „Flecki“-Pudding bleibt im Kühlregal"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • So ein Hype um einen Fertigpudding... - aber, toller Beitrag,insbesondere die Hintergründe zum "Delikatessen Albrecht" Imperium finde ich sehr informativ! Da ist halt ein Großer böse auf einen anderen Großen, vielleicht auch weil der Dr. Oetker gepennt hat und nun nicht für AL(L)DI(E) vielen Discounter in der Welt lecker Puddings kochen und liefern darf sondern das nun ein anderer machen darf?
    Man steckt nicht drin in unseren Lebensmittelversorgungskonzernen, die uns so glücklich machen - auch mit geflecktemPudding - was für eine Errungenschaft!

  • Oetker sollte sich schämen !
    Warum sollte Aldi keinen gefleckten Pudding verkaufen ? Ich halte das Vorgehen des gierigen Oetker-Konzerns für mafiös. Die kriegen den Hals wohl nie voll !
    Der Verbraucher muss selbst entscheiden können, was er kauft. Das dürfen die Oetker-Bonzen niemandem vorschreiben !
    Eins weiss ich: ich kaufe nichts mehr von Oetker. Da vergeht mir der Appetit.

  • Einerseits ist es Ideenklau was Aldi dort macht.
    Ich kann auch Dr.Oetker auch verstehen das sie so aufgebracht sind. Immer hin hat sich dieses Produkt auch
    gut verkaufen können. (10 % bei Kinder-Fertigdesserts, was ist eigt. aus den guten alten Fruchtzwerge geworden ??)

    Aber mal ganz im Ernst... da lässt sich jemand "FLECKEN" im Pudding schützen... Hallo ?? Werbekosten hin oder her, ich zahle doch nicht für Flecken in meinem Pudding.
    Ich bin da schon froh das Aldi mir ein ähnliches Produkt verkauft, bei dem ich auch wirklich nur das PProdukt bezahle.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%