Offene Rechnungen: Vertriebspartner stoppt Vermarktung von Flexstrom

Offene Rechnungen
Vertriebspartner stoppt Vermarktung von Flexstrom

Seit Wochen jagt beim Billigstromanbieter Flexstrom eine Hiobsbotschaft die andere. Nun rufen einige Gläubiger wegen offener Rechnungen nach der Aufsichtsbehörde. Flexstrom geht seinerseits gegen einen Netzbetreiber vor.
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BerlinDer umstrittene Billigstromanbieter Flexstrom bleibt nach Informationen des Handelsblattes immer mehr Geschäftspartnern die Begleichung ihrer Rechnungen schuldig. Nachdem bereits im November Netzbetreiber von „Unregelmäßigkeiten im Zahlungsverkehr“ berichteten, steht nun auch die Zahlung von Vertriebsprovisionen aus. Das Unternehmen Energysolutions24 weigert sich deshalb, weiter für Flexstrom tätig zu sein.

„Es gibt Probleme mit den Provisionen. Flexstrom ist uns einen sechsstelligen Betrag schuldig“, sagte Energysolutions24-Geschäftsführer Geschäftsführer Jens Krenkler dem Handelsblatt. Sein Unternehmen nehme Stromtarife von Flexstrom und der Flexstrom-Tochter Optimal Grün deshalb aus dem Programm. Krenkler: „Mit jedem zusätzlichen Vertrag würden wir uns nur neue Probleme aufladen.“

Dem Handelsblatt liegen zudem mehrere Schreiben einer Anwaltskanzlei vor, die insgesamt 33 Stadtwerke gegen Flexstrom vertritt. Nach Angaben des Energierechtlers Lutz Freiherr von Hirschberg erreichen seine Kanzlei täglich neue Beschwerden über offene Forderungen auf Netzentgelte, die Flexstrom den Stadtwerken schuldig geblieben ist.

Nach Angaben von Hirschberg geht es teilweise um fünfstellige Beträge. Aber auch Kleinstrechnungen von wenigen hundert Euro blieben offen. 31 Stadtwerke haben deshalb bereits Sicherheitsleistungen von Flexstrom gefordert und drohen damit, die Stromdurchleitung zu unterbrechen. Die knapp über 30 Stadtwerke repräsentieren insgesamt nur ein geringen Anteil der Netzbetreiber und der Lieferantenrahmenverträge von Flexstrom.

Die Stadtwerke sehen Gefahr im Verzug und fordern ein Einschreiten der Aufsichtsbehörde. „Die Bundesnetzagentur ist hier in der Pflicht“, sagt Hirschberg. Das Energiewirtschaftsgesetz sehe vor, dass die Behörde einem Energieversorgungsunternehmen „die Ausübung der Tätigkeit jederzeit ganz oder teilweise untersagen, wenn die personelle, technische oder wirtschaftliche Leistungsfähigkeit oder Zuverlässigkeit nicht gewährleistet ist.“ Die Stadtwerke haben von der Bundesnetzagentur bisher keine Antwort erhalten. Auf Nachfrage des Handelsblatts sagte ein Behördensprecher: „Wir können den Fall nicht kommentieren. Zu einzelnen Unternehmen können wir uns nicht äußern.“

Flexstrom wirft unterdessen einem Netzbetreiber unlautere Methoden im Kampf um Stromkunden vor und hat deshalb ein Missbrauchsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet. Die Landesregulierungsbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen als zuständige Aufsichtsbehörde bestätigte der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag, dass ein Antrag von Flexstrom auf ein Missbrauchsverfahren eingegangen sei. Dieser sei bereits der Gegenseite - einem Netzbetreiber aus der Region - zugestellt worden, von ihr liege aber noch keine Stellungnahme zu den Vorwürfen vor.

Flexstrom erklärte, der betreffende Netzbetreiber habe versucht, Kunden „rechtswidrig abzuwerben“, und habe damit seine Marktstellung missbraucht. Dem Netzbetreiber wird demnach zudem vorgeworfen, gegenüber Kunden und der Presse unwahre Tatsachenbehauptungen aufgestellt zu haben.

Die Vorwürfe werden nun von der Landesregulierungsbehörde NRW in einem gerichtsähnlichen Verfahren geprüft. Den Angaben zufolge gehen Anträge auf ein Missbrauchsverfahren eher selten bei der Behörde ein. Derzeit liegen ihr neben dem Antrag von Flexstrom noch zwei weitere vor.

 

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  • Warte seit 13 Monaten auf Rückzahlung meiner Vorauszahlung von 400 EUR für das Jahr 2012. FS hat mich "ausversehen" am 31.12.2011 abgemeldet und beim Grundversorger angemeldet! Der Grundversorger steht nun vor der Tür und will Geld sehen. Schlichtungsstelle e.V. ist auch eingeschaltet. Bin gespannt auf das Ergebnis! Nie wieder FLEXSTROM !!!

  • Mein Vertrag bei Flexgas Endete am 30.06.2012, ich musste Flexgas anschreiben damit sie mir Überhaupt die Schlussrechnung zukommen ließen, die bekam ich dann am 22.11.2012. mit einem Guthaben, das in den kommenden 6 Wochen auf mein Konto eingehen soll. Bis Heute 07.01.2013 ist das Geld noch nicht auf mein Konto eingegangen.

  • Lassen Sie sich um Gottes Willen kein Geld mehr vom Konto abziehen und versuchen Sie einen neuen Anbieter zu finden! Sie befeuern nur das Schneeballsystem dieser Firma weiter. Und ob Sie dann tatsächlich ab 1.2. beliefert werden, dürfte fraglich sein... "Ein kleiner interner Fehler, oh sorry, leider haben wir zwar ihr Geld schon, danke, aber irgendwas hat mit der Ummeldung nicht geklappt- ab April können sie dann bei uns Kunde werden..." So lief es bei mir seinerzeit übrigens bei Teldafax. Zu Flexstrom: Mehr als 30 Versorger haben bereits keine oder nur teilweise Zahlungen von FS erhalten und werden sich das nicht mehr lange bieten lassen. Genau dieselbe Entwicklung! Mich hat das damals 680 € gekostet.

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