Offener Brief an das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
Streit um Pfizers Cholesterinsenker Sortis eskaliert

Der Streit um den Cholesterinsenker Sortis eskaliert.

HB BERLIN. In einem offenen Brief, der dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vorliegt, warnt jetzt das Herstellerunternehmen Pfizer das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen vor Haftungsrisiken, sollte dieses bei seiner Auffassung bleiben, das Sortis bedenkenlos durch andere den Cholesterinspiegel im Blut senkende Medikamente ersetzt werden könne. Zuvor hatte der Chef des Instituts, Peter T. Sawicki, Empfehlungen zur Umstellung von Sortis-Patienten auf andere Cholesterinsenker gegeben.

Auslöser des Streits ist die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Krankenkassen (GemBA), Sortis zusammen mit anderen Medikamenten der gleichen Wirkstoffgruppe, den so genannten Statinen, einheitlichen Festbeträgen zu unterwerfen. Sie liegen rund 30 Prozent unter den heutigen Preisen von Sortis, das einen Marktanteil von 47 Prozent hat. Die Festbeträge, bis zu deren Höhe die Kassen die Kosten für ein Medikament erstatten können, treten am 1. Januar 2005 in Kraft. Pfizer hat als erstes von der neuen Regelung betroffenes Unternehmen angekündigt, dass es seinen Preis nicht auf Festbetragsniveau senken will.

In dem Schreiben fragt Pfizer-Deutschland-Chef Walter Köbele Sawicki, ob er bereit sei, die haftungsrechlichen Konsequenzen zu tragen, sollten Patienten mit akuten Herzerkrankungen, Diabetiker und Patienten, die eine besonders hohe Dosierung benötigen, statt Sortis andere Statine einnehmen. Auch nach Auffassung des GemBA ist Sortis bei diesen Patienten therapeutisch überlegen und hat bei hoher Dosierung deutlich weniger gefährliche Nebenwirkungen. Ähnlich reagierte das Unternehmen auf die Ankündigung des GemBA-Vorsitzenden Rainer Hess, Ärzten Alternativen zu Sortis zu empfehlen, sollte sein Preis nicht auf den Festbetrag gesenkt werden. Nach Angaben Pfizers haben inzwischen 13 000 Ärzte erklärt, dass sie es medizinisch nicht für vertretbar halten, Sortis zu ersetzen. Ungeachtet drohender Bußgelder will das Unternehmen auch an seiner Anzeigenkampagne gegen die Festbetragsregelung festhalten.

Das zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe prüft derzeit, ob das in Karlsruhe ansässige Unternehmen mit der öffentlichen Kampagne gegen das Heilmittelwerbegesetz verstößt. Diese verbietet die Publikumswerbung für rezeptpflichtige Medikamente. Das Regierungspräsidium wird voraussichtlich am Donnerstag entscheiden. Dem Unternehmen droht ein Bußgeld von 50 000 Euro und ein erheblicher Imageschaden.

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