Offerte
Glaxo will Human Genome übernehmen

Obwohl Human Genome die Offerte als zu niedrig zurückgewiesen hat, beginnt GlaxoSmithKline mit der Übernahme des Pharmakonzerns. Die beiden Unternehmen arbeiten bereits bei der Entwicklung von Wirkstoffen zusammen.
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London Der Pharmariese GlaxoSmithKline bläst nach der Ablehnung seines milliardenschweren Übernahme-Angebots für die US-Biotechfirma Human Genome Sciences zum Angriff. Das britische Unternehmen kündigte am Mittwoch an, noch in dieser Woche das Angebot über 13 Dollar je Aktie direkt an die Aktionäre von Human Genome zu richten und so die Firmenleitung zu umschiffen. Ende April hatte das Management die Glaxo-Offerte über insgesamt 2,6 Milliarden Dollar als zu niedrig zurückgewiesen und angekündigt, Alternativen wie den Verkauf an eine andere Firma zu prüfen. GlaxoSmithKline will sich mit der Übernahme auf dem hart umkämpften Pharmamarkt den Zugriff auf in der Entwicklung befindliche Medikamente sichern.

Anleger spekulierten bereits darauf, dass Glaxo tiefer in die Tasche greifen muss: Human Genome-Aktien wechselten an der Börse für 14,32 Dollar und damit deutlich über dem Angebotspreis den Besitzer. Auch Analyst Navid Malik von Cenkos Securities erwartet eine - wenn auch nur leichte - Aufstockung des Gebotes. "Glaxo hält in der Geschichte eine Menge Trümpfe in der Hand."

Glaxo beharrte darauf, dass der gebotene Preis fair sei, da er einen 80-prozentigen Aufschlag auf den Firmenwert vor Bekanntgabe des Übernahmeangebotes beinhalte. Das sahen allerdings einige Aktionäre ganz anders. "13 Dollar ist wie Diebstahl", empörte sich Mark Evans, Fondsmanager bei Taube Hodson Stonex, mit einem Anteil von 5,6 Prozent sechstgrößter Investor bei Human Genome. Knapp 80 Prozent der Anteile der Biotechfirma sind in der Hand von zehn Großinvestoren.

Glaxo und Human Genome kennen sich schon lange: Die Unternehmen arbeiten bei mehreren Wirkstoffen zusammen, denen großes Umsatzpotenzial zugetraut wird. Zudem besteht eine Partnerschaft bei dem neuen Medikament Benlysta zur Behandlung der Autoimmunerkrankung Lupus, das allein in den USA Milliardenumsätze erwirtschaften soll. Durch die Übernahme der in Rockville im US-Bundesstaat Maryland ansässigen Firma würde sich Glaxo das volle Zugriffsrecht auf diese Wirkstoffe sichern. Die jahrelange Zusammenarbeit der beiden Konzerne macht zugleich das Auftauchen eines weißen Ritters unwahrscheinlich. Jedes andere Unternehmen, das die US-Biotechfirma kaufen will, hätte bei den wichtigsten Medikamenten Glaxo gleich mit im Boot.

Glaxo betonte am Mittwoch, erste Präferenz sei das Geschäft "einvernehmlich und in angemessener Zeit" abzuschließen. Wegen ablaufender Patente von umsatzstarken Medikamenten halten Pharmakonzerne zur Zeit verstärkt nach Zukaufsmöglichkeiten Ausschau, um mit neuen Wirkstoffen die drohenden Umsatzeinbußen ausgleichen zu können. AstraZeneca vereinbarte etwa im vergangenen Monat, Ardea Biosciences für 1,26 Milliarden Dollar zu übernehmen. Dagegen war der Schweizer Pharmariese Roche zuletzt mit seinem Versuch gescheitert, sich die US-Gentechnikfirma Illumina einzuverleiben.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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