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09.04.2008 
Tauziehen um russischen Bergbaukonzern

Oligarch blockiert Fusionsplan von Rusal und Norilsk

von Thomas Wiede

Wirres Tauziehen um den russischen Bergbaukonzern Norilsk: Die Norilsk-Aktionäre stimmten am Dienstag überraschend dagegen, dem Aluminium-Konzern Rusal mehr Einfluss auf den Aufsichtsrat zu gewähren. Jetzt tritt plötzlich auch noch ein anderer Interessent auf den Plan.

MOSKAU. Der Plan des russischen Multimilliardärs Oleg Deripaska, seinen Aluminium-Konzern Rusal mit dem größten russischen Bergbaukonzern Norilsk Nickel zu verschmelzen, hat einen empfindlichen Dämpfer abbekommen. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten die Norilsk-Aktionäre dagegen, Rusal mehr Einfluss auf den Aufsichtsrat des Konzern zu gewähren.

Pikanterweise votierte auch Norilsk-Miteigentümer Michail Prochorow dagegen. Dabei hatte er selbst im vergangenen Herbst die Weichen für eine Fusion mit Rusal gestellt und die Vorschläge eingebracht.

Die Auseinandersetzung um die Zukunft von Norilsk ist damit um eine wirre Wendung reicher. Schon der Auftakt im vergangenen Jahr hätte nicht fulminanter sein können. Rauschende Partys mit Modells aus Moskau im französischen Nobel-Skiort Courchevel, eine Razzia der französischen Polizei, der 42-jährige Multimilliardär Prochorow landet hinter Gittern. Angeblich weil er Callgirls vermittelt haben soll. Die Vorwürfe lassen sich nicht halten, doch Prochorow und sein Partner, der Kremlnahe Oligarch Wladimir Potanin, beginnen ihr gemeinsames Industrieimperium aufzuspalten - angeblich weil auch dem Kreml Prochorows Eskapaden zu bunt wurden.

Norilsk, die Perle ihrer Aktivitäten, ist heute mit einem Wert von rund 60 Mrd. Dollar hoch profitabel. Der Bergbaukonzern passt somit hervorragend in die Expansionspläne des Rusal-Mehrheits -Eigentümer Deripaska. Der möchte seinen Konzern zu einem 100 Mrd. Dollar schweren globalen Bergbau- und Metallunternehmen formen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Traum von einer eurasischen Variante des Rohstoffkonzerns BHP -Billiton

Über die Gründe für die Kehrtwendung Prochorows, der mit Deripaska bereits den Tausch seines 25-prozentigen Anteils an Norilsk gegen elf Prozent an Rusal plus sechs Mrd. Dollar in bar vereinbart hatte, gibt es bisher nur Vermutungen. Beobachter mutmaßen, er wolle den Preis nachträglich nach oben treiben. Zwischen ihm und seinem alten Geschäftspartner Potanin - zusammen halten sie 54 Prozent an Norilsk - läuft es zudem wieder besser. So einigten sie sich darauf, ihre gemeinsame Holding nicht wie geplant zu liquidieren.

Potanin hat zudem einen weiteren Oligarchen mit ins Spiel geholt, um den Verkauf an Deripaska zu verhindern: Alischer Usmanow, Miteigentümer des Metallkonzern Metalloinvest träumt von einer eurasischen Variante des Rohstoffkonzerns BHP -Billiton, und hat bereits in die Bücher von Norilsk geschaut. Eine Fusion von Alischers Gazmetall mit Norilsk würde eine Übernahme für Rusal noch schwieriger machen. Ein Rusal -Sprecher wollte dies nicht kommentieren, wies aber darauf hin, dass die nötige Finanzierung für das Geschäft mit Prochorow stehe.

Das Norilsk-Management ist eigenen Angaben zu Folge offen für alle Varianten, beklagt aber, dass Rusal noch nichts Konkretes in Sachen Fusion vorgelegt habe. Es fürchtet, dass Rusal den Bergbaukonzern vor allem nutzen will, um ihn finanziell zu melken. Genug Geld, die Minderheitsaktionäre des Konzerns auszukaufen, hat die nicht gelistete Alu-Schmiede offenbar nicht. Norilsk-Aufsichtsratschef Andrej Klischas legte am Dienstag daher in Sachen Usmanow nach: Die Verhandlungen liefen besser als erwartet, mit einem Abschluss könne schon in wenigen Wochen gerechnet werden.

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