Oligarchen spielen unrühmliche Rolle
Russlands Metallsektor spürt die Krise

Jahrelang galten sie als Profitmaschinen. Doch die Finanzkrise, fallende Weltmarktpreise und Streit unter Aktionären setzen den russischen Metall- und Minenkonzernen mächtig zu. Produktionskürzungen, Entlassungen sowie der Verkauf von Unternehmensteilen zeichnen sich ab – allen voran beim größten Nickelproduzenten der Welt, Norilsk Nickel.

MOSKAU/DÜSSELDORF. Der Börsenwert des Bergwerkkonzerns ist seit Mai um drei Viertel auf 14 Mrd. Dollar geschmolzen. Der Einbruch folgte parallel zu dem des Nickel-Preises: Wohl kaum ein Industriemetall ist so steil abgestürzt. Noch Mitte vergangenen Jahres notierte das Legierungsmetall erstmals über 50 000 Dollar. Zuletzt kämpfte es mit der Marke von 10 000 Dollar.

Nickel zählt zu den Rohstoffen, die besonders unter der Furcht vor einer Rezession und einer rückläufigen Nachfrage leiden. Das Metall wird vor allem in der Stahlveredelung eingesetzt, die etwa zwei Drittel der Produktion aufsaugt.

Doch damit nicht genug: Seit über einem Jahr leidet Norilsk unter dem Streit seiner Goßaktionäre, den Oligarchen Wladimir Potanin, Oleg Deripaska und Michail Prochorow. Nachdem sie ihre Partnerschaft beendet hatten kämpften zunächst Prochorow und Potanin um das Juwel ihrer gemeinsamen Firmensammlung. Seit Prochorow 25 Prozent der Norilsk-Aktien an Deripaskas Rusal weitergereicht und im Gegenzug Aktionär der Alu-Schmiede wurde, mischt nun ein weiterer ehrgeiziger Milliardär mit. Es geht um viel: Wer wird von der sich abzeichnenden Konsolidierung des Sektors in Russland profitieren?

Die Unsicherheit um die Zukunft des Konzern vergrößern noch die Liquiditäts-Probleme Deripaskas: Mit dem Aktieneinbruch sank auch der Wert seines Norilsk-Pakets - von 14 auf rund drei Mrd. Dollar. Gut 1,8 Mrd. Dollar muss er jetzt aufbringen, um den Milliarden-Kredit für den Norilsk-Einstieg zu sichern. Das Geld soll von der staatlichen Vneshekonombank kommen, nur das dauert bis Ende November. Sollten die westlichen Gläubigerbanken nicht still halten, fallen die Norilsk-Aktien an sie.

Nach Ansicht der Analysten von Unicredit zählt Norilsk zwar zu den an Bargeld reichsten russischen Minenkonzernen - ein echtes Plus in Zeiten der Krise - nur bestehe Zweifel daran, ob das Unternehmen, dessen erfahrenes Top-Management wegen der Querelen der Großaktionäre einen erheblichen Aderlass verkraften musste, das Geld auch richtig nutzt, schreiben die Experten.

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