OMV-Chef
„Nabucco-Pipeline wird gebaut“

Der ungarische MOL-Konzern hat seinen Ausstieg aus dem Nabucco-Projekt verkündet. Doch die Partner geben sich nicht geschlagen. Die Pipeline soll um jeden Preis gebaut werden - allerdings deutlich kürzer.
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DüsseldorfDie Nabucco-Pipeline wird gebaut, auch bei einem Ausstieg des ungarischen MOL-Konzerns. Das sagte Gerhard Roiss, Vorstandschef des Konsortialführers OMV, im Gespräch mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Der ungarische Staat habe sich zum Bau der Pipeline verpflichtet, die anderen am Konsortium beteiligten Energiekonzerne würden den MOL-Anteil im Bedarfsfall übernehmen und die Pipeline trotzdem in Ungarn bauen. Europa brauche das Erdgas rings um Schwarzes und Kaspisches Meer, deshalb müsse Nabucco gebaut werden. Zu Wochenbeginn hatten die ungarische Regierung und der Budapester MOL-Konzern angekündigt, dass sich das Unternehmen aus dem Nabucco-Konsortium zurückziehen wird. Der ungarische Staat ist mit knapp 25 Prozent der Anteile größter MOL-Aktionär.

„Ungarn hat sich zur Pipeline bekannt“, sagte Roiss zu den jüngsten Ankündigungen aus Budapest. Der OMV-Konzern aus Wien, zusammen mit RWE das wichtigste Unternehmen aus dem Nabucco-Konsortium, mache sich keine Sorgen um das Projekt. Wie die anderen Länder entlang der Nabucco-Trasse habe auch Ungarn ein zwischenstaatliches Abkommen unterzeichnet, das die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau der Pipeline schaffe. „Zudem wollen andere Unternehmen in das Konsortium einsteigen“, ergänzte der OMV-Chef.

Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass es erhebliche Abstriche am Pipeline-Projekt Nabucco geben wird. Ursprünglich sahen die Pläne des Konsortiums vor, dass die Gasleitung über fast 4000 Kilometer vom Osten der Türkei über den Balkan und Ungarn bis nach Österreich Wien gehen würde. Mehr als die Hälfte davon sollten auf den türkischen Abschnitt entfallen. Auch OMV-Chef Roiss spricht jetzt offen davon, dass es vielleicht bald nur noch eine Nabucco-West ohne türkischen Anteil geben könnte. Diese Pipeline wäre mit etwa 1300 Kilometern deutlich kürzer und billiger.

„Die großen Gasfunde im Schwarzen Meer haben die Situation verändert“, begründet Roiss sein Interesse an einer verkürzten Nabucco-Pipeline. Damit sinkt der Bedarf an Erdgas aus den weiter östlich gelegenen Vorkommen rund um das Kaspische Meer wie aus Aserbaidschan und Turkmenistan.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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