OMV
Österreicher dürfen russisches Öl fördern

Der österreichische Energiekonzern OMV hat über seine rumänische Tochterfirma Petrom Explorations- und Förderrechte für Öl in Russland gekauft.

WIEN. Wie das Unternehmen bekannt gab, besitzt Petrom neuerdings knapp Dreiviertel der Ringoil Holding & Trading – ein Unternehmen mit Sitz in Zypern, das über mehrere Förderlizenzen und das Recht zur Ölproduktion in Russland verfügt.

Ein OMV-Sprecher bestätigte dem Handelsblatt, dass mit dem Einstieg in das zypriotische Unternehmen Russland zu einer neuen Kernwachstumsregion für den österreichischen Konzern wird. Angaben über den Kaufpreis machte der Konzern nicht.

Die Beteiligung der Österreicher in Russland ist vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass in Moskau bislang stark darauf geachtet wird, die Energieförderung und -versorgung des Auslands in den eigenen Händen zu behalten. So hatte im vergangenen Monat das russische Ministerium für Bodenschätze dem britisch-niederländischen Konzern Shell die Erlaubnis für das Ölförderprojekt Sachalin II entzogen. Als Grund wurden Verletzungen von Umweltauflagen genannt. Kreml-Beobachter sehen dagegen darin das Bestreben, an Sachalin II auch ein russisches Unternehmen wie Gazprom zu beteiligen. Das Vorgehen rief bei internationalen Energiekonzernen Besorgnis hervor.

Die russischen Behörden hatten zudem damit gedroht, dem britisch-russischen Konzern TNK-BP eine Lizenz zur Entwicklung des Gasfelds Kowykta im Osten Sibiriens zu entziehen. Als Begründung wurde angeführt, TNK-BP habe die Lizenzbedingungen nicht erfüllt. Und auch die Italiener machen sich Sorgen: Bei einer Anhörung vor dem italienischen Parlament sagte der Chef des italienischen Ölkonzerns Eni, Paolo Scaroni, kürzlich, dass es sehr wahrscheinlich nicht zu der für Mitte Oktober geplanten weitreichenden Vereinbarung mit Gazprom kommen werde. Beide Konzerne verhandeln seit mehr als einem Jahr über einen Vertrag, der Eni Zugang zu russischen Öl- und Gas-Ressourcen einräumt „Wir werden nicht in die Förderung in Russland einsteigen, um dann vor Problemen zu stehen“, sagte der Eni-Chef mit Blick auf die Schwierigkeiten der anderen internationalen Ölmultis.

Die Österreicher konnten solche Probleme bisher umgehen. Neben dem jüngsten Projekt verlängerten sie im vergangenen Monat auch ihre Verträge mit einer Gazprom-Tochter über Gaslieferungen nach Österreich um weitere 15 Jahre. OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer sprach aus diesem Anlass von einem „Meilenstein in der fast 40-jährigen Zusammenarbeit zwischen OMV und der Gazprom-Tochter“ und klang damit deutlich weniger skeptisch als sein italienischer Kollege.

OMV hatte im Jahr 1968 als erstes westeuropäisches Unternehmen einen Gasliefervertrag mit der damaligen UdSSR unterzeichnet. In Österreich wird inzwischen darüber spekuliert, ob OMV den russischen Partnern einen Sitz in jenem Konsortium einräumen will, dass die voraussichtlich 4,6 Mrd. Euro teure Nabucco-Gas-Pipeline vom Nahen Osten nach Westeuropa bauen will.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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