Opel auf der IAA
Zwischen Aufbruch und Aufstand

Bei seinem Auftritt auf der IAA verbreitet Opel-Chef Karl-Thomas Neumann Optimismus. In Bochum berät die Belegschaft derweil, wie sie gegen die Schließungspläne vorgehen soll.
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Frankfurt/Düsseldorf d

Bei Opel ist Begeisterung derzeit Chefsache. Seit seinem Amtsantritt ist der Opel-Vorstandsvorsitzende Karl-Thomas Neumann auf der "Mission Gute Laune", die er demonstrativ bei öffentlichen Auftritten zeigt. "Opel ist wieder da", verkündet Neumann auch diesmal selbstbewusst. Er sagt es nicht zum ersten Mal.

Nach Frankfurt hat der Opel-Chef gleich sieben Weltpremieren mitgebracht: drei Varianten des Insignia, die sich mit einem Einstiegspreis von 24.325 Euro insbesondere an preisbewusste Firmenkunden richten, aber vor allem ein Auto, das nach Neumanns Worten für das neue Opel steht. Der Opel Monza Concept ist eine Neuauflage des Klassikers - ein Sportler mit Flügeltüren. Ein Auto, das Opels Selbstbewusstsein zurückholen soll.

Dabei geben auch die aktuellen Verkaufszahlen der neuen Modelle durchaus Anlass zur Hoffnung: Der Mini-SUV Mokka hat sich immerhin 120.000 Mal seit Marktstart verkauft, auch der kleine Stadtflitzer Adam ist mit 60.000 verkauften Fahrzeugen gut angelaufen. Aber auch bei den Gesamtzulassungen muss Neumann das Steuer bald herumreißen.

23 neue Modelle und 13 neue Motoren will Opel auflegen. Zentrale Strategie: die Vernetzung der Fahrzeuge. Mit der Apple-Sprachsteuerung Siri ist das Intelli-Link-System im Adam und im Insignia völlig ohne Knöpfe steuerbar. Zur Standeröffnung hat der twitternde Vorstand noch einen Facebook-Fan eingeladen, der eins der neuen Insignia-Modelle auf die Bühne fahren durfte - Ausdruck der neuen Social-Media-Strategie von Opel.

Neumanns Botschaft ist klar: Bei Opel ist man wieder modern. Es soll nicht mehr die Resignation, sondern der Aufbruch regieren. Doch die Folgen der Sanierung könnten zum Stimmungskiller werden.

232 Kilometer vom Blitzlichtgewitter der IAA entfernt braut sich ein Sturm zusammen. Geht es nach dem Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel, dürfte der Abschied von Opel aus dem Ruhrgebiet nicht reibungslos vonstatten gehen. Er will juristisch gegen die Entscheidung aus der Zentrale vorgehen, die das Werk Ende 2014 schließen will. Der Zafira soll schon Anfang 2015 in Rüsselsheim gebaut werden.

All die Negativschlagzeilen,  die der neue Chef Neumann eigentlich vermeiden wollte, könnten das ohnehin angeschlagene Image weiter ramponieren. "Es gab keine sauberen Informationen über den Beschluss, das Werk zu schließen", sagt Einenkel. Am 5. Dezember wird seine Klage vor dem Landgericht Darmstadt verhandelt. Lösungen für die 3.400 Mitarbeiter in Bochum gibt es noch nicht.

In Frankfurt scheinen die Streitereien weit weg, doch sie könnten Neumann schneller einholen als gedacht.

 

Kommentare zu " Opel auf der IAA: Zwischen Aufbruch und Aufstand"

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  • Bosch: Offensichtlich kennen Sie die aktuellen technischen Entwicklungen bei Opel nicht, sonst würden Sie hier nicht von "technisch hintendran" sprechen.
    Nur mal ein Beispiel: Der neue 2,0 CDTI/140PS im Opel Insignia setzt den Klassenbestwert(!!!) beim Verbrauch, und das europaweit:
    3,7 Ltr. nach NEFZ. Selbst wenn man in der Realität 1,5 bis 2 Liter draufrechnen muß (bei jedem Hersteller!), dieser Wert ist absolute Spitzenklasse für ein Mittelklasseauto mit der Stabilitätsanmutung eines Sicherheitstresors.
    Ein bekannter Arzt aus meiner Gegend fährt übrigens Insignia und leistet sich eine Millionen-Yacht.
    Ein Looser?
    Und Opel ist nicht Fisch oder Fleisch, sondern meines Erachtens die Traditionsmarke mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis weit und breit.
    Wenn Sie sich besser über Opel-Technik informieren möchten, helfen verschiedene Blogs, unter anderem der Opel-Blog. Dort werden regelmäßig die neuen Entwicklungen, auch die neuen Motoren, sehr gut erklärt (Konstruktions-Aufbau, Leistungsdaten, Besonderheiten etc., aktuell der 1,0 SIDI Dreizylinder, die neuen 1,6 CDTI und vieles mehr).
    Die aktuell auf der IAA gezeigte Monza-Studie hat übrigens einen E-REV der zweiten Generation an Bord. Neben dem E-Motor fungiert zum ersten mal ein wartungsarmer und supersparsamer Dreizylinder als Generator/Reichweitenverlängerer, betrieben mit CNG, Erdgas. Das ist nichts anderes als die Mobilität der nahen Zukunft. Ja, alle drücken, von unten und von oben. Aber Opel hat die richtigen Antworten.

  • Mal ein Zitat von Hr. Neumann "Wir haben bei Opel eine Aufbruchstimmung. Opel ist wieder da", sagte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann am Dienstag auf der IAA in Frankfurt. Zwar werde der Hersteller auch 2103 Verluste einfahren. "Unser erstes Ziel war Stabilisierung der Verluste und der Marktanteile."

    Na dann diskutieren wir im Jahr 2103 weiter. Fred kann hier geschlossen werden.

  • Guet Stimmung alleine reicht nicht - wenn die Leistung zu wünschen übrig läßt. Das dürfte der Mann auch bei Conti und VW gemerkt haben. Von alleine ist der dort nicht gegangen. Warum auch in so kurzer Zeit?

    Opel steckt mittendrin im Schlamassel. Von oben drücken die Premiums, von unten die Massenhersteller. Irgendwie ist man weder Fisch noch Flesich. Dazu technisch hintendran. Und der Name steht mittleweile für Looser. Das wird schwierig.

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