18.12.2004

Gewerkschaften verhandlungsbereit bei übertariflichen Leistungen: Opel-Betriebsrat sieht Standort Bochum weiter gefährdet

Die Produktion am Opel-Standort Bochum ist nach Ansicht des Gesamtbetriebsrats-Chefs Franz noch immer gefährdet. Künftige tarifverhandlungen sollen sich seiner Meinung mehr an Arbeitsplatzsicherung orientieren als an höheren Löhnen.

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HB BERLIN. Der Chef des Gesamtbetriebsrates, Klaus Franz, sieht den Produktionsstandort Bochum noch gefährdet: «Es wird (…) extrem schwer, Bochum als Produktionsstandort über das Jahr 2010 hinaus zu sichern», sagte er im Gespräch mit dem Magazin «Spiegel». Den Bochumer Beschäftigten rät er deshalb, Protestaktionen «sehr sensibel» als Druckmittel einzusetzen, «um keinen Vorwand für die Schließung des Werkes zu liefern.»

Um Bochum zu sichern, kündigte Franz Verhandlungen über einen Zukunftssicherungsvertrag bis 2010 an, in dem auch die Produktionsstandorte des nächsten Opel Astra festgelegt werden. «Das wird eine harte Nuss», kündigte er an.

Es sei zudem «töricht», den Standort Bochum zu schließen, schließlich sei Opel in Nordrhein-Westfalen am stärksten verhaftet. Die Kunden würden eine Schließung bestrafen, warnte Franz.

Mit Skepsis betrachtet Franz die Verabredung zwischen der europäischen Opel-Führung und den Arbeitnehmervertretern über die Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft für Opel-Mitarbeiter, weil nur etwa jeder zweite eine Anschlussbeschäftigung finde: «Erfahrungsgemäß werden bis zu 60 Prozent in einen Job vermittelt», sagte Franz. Allerdings seien die Chancen dafür im Rhein-Main-Gebiet um den Opel-Standort Rüsselsheim größer als in Bochum.

Franz kündigte zudem Kompromissbereitschaft in den Verhandlungen über übertarifliche Leistungen der verbleibenden Opel-Mitarbeiter an. Zudem schlug er eine Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit innerhalb eines Korridors zwischen 30 und 40 Stunden vor. Die Laufzeit des Arbeitszeitkorridors solle dabei an den Lebenszyklus eines Automodells gekoppelt werden.

Den Flächentarifvertrag stellt Franz zwar nicht zur Disposition – dennoch werde dieser zwangsläufig an Bedeutung verlieren. Tarifpolitik werde stärker in den Betrieben stattfinden müssen. «Ich denke, der Flächentarifvertrag muss neu definiert werden, er muss breitere Begrenzungen setzen und den Betrieben mehr Spielraum lassen», sagte er.

Zugleich mahnt er «mehr Öffnungsklauseln, mehr Differenzierungen in den Betrieben» an. «Wir müssen uns fragen, was uns wichtiger ist: sichere Arbeitsplätze oder dynamischere Löhne?» Die Tarifpolitik solle sich künftig mehr auf Arbeitsplatzsicherung als auf Lohnpolitik konzentrieren.

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